Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit24817/618/
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W. Wirth, Psychophysik. 
Gedächtnisleistung als die Trefferzahl. Denn mit dem Wiedererlernen setzen 
eben ganz neue Vorgänge ein, für welche die zu messende Disposition 
nur eine zu Anfang vorhandene Teilbedingung ab gibt. Da aber doch die 
schwächere Disposition zu ihrer Wiederherstellung auf alle Fälle die größere 
Zahl von Wiederholungen erfordert, so muß sich mit dieser Methode 
wenigstens die Überlegenheit der einen Entstehungs- und Erhaltungsbe¬ 
dingungen über die anderen mit Sicherheit nachweisen lassen. Außerdem 
wird sich gerade wegen der Mittelbarkeit des Verfahrens wenigstens im 
voraus keine untere Grenze angeben lassen, von der an eine noch vor¬ 
handene Disposition auf den Wert A keinen Einfluß mehr erlangen könnte, 
während ein Treffer selbst bei der Methode der Hilfen und der Paarmethode 
bereits eine gewisse aktuelle Leistung bildet. Mit diesem Vorbehalt bezüglich 
der unteren Grenze ist freilich noch nicht gesagt, daß sich die Leistungs¬ 
fähigkeit des Ersparnisverfahrens höher erweisen werde als die Treffer¬ 
zählung. 
c) Die Messung der Reproduktionszeit. 
Bevor Ebbinghaus die Zahl der Wiederholungen als endgültiges Maß 
des Arbeitsaufwandes beim Lernen und Wiederlernen einführte, hatte er es 
bereits mit der hierbei verbrauchten Gesamtzeit versucht, deren Feststellung 
ihm, der V.-P. und Experimentator in einer Person war, leichter fallen 
mußte. Doch ging er hiervon wieder ab, weil sie doch zu sehr von den 
Zufälligkeiten' des Tempos beim Lesen und Hersagen beeinflußt war. Durch 
die Verwendung präziser Expositionsapparate wurde dann wenigstens für 
das (taktmäßige) Lernlesen (ohne Versuche der freien Reproduktion) eine 
besondere Bestimmung der Zeitverhältnisse überhaupt unnötig. Auch bei 
der Konstatierung des Auswendigkönnens, wie es z. B. bei der Ebbing¬ 
haus sehen Handhabung des Ersparnisverfahrens erstrebt wird, wäre die 
Zeit bei Forderung eines streng taktmäßigen Hersagens im allgemeinen noch 
keine neue Unbekannte. Bei der freien Reproduktion bildet dagegen die 
Zeit von dem Auftreten des Stichreizes bis zum Einfallen des assoziierten 
Elementes (bzw. beim Hersagen ganzer Reihen die Zeit von der jeweils ver¬ 
mittelnden bis zur vermittelten Reproduktion) ein selbständiges, für den 
Stand der Disposition charakteristisches Moment der aktuellen Gedächtnis¬ 
leistung. Wo die Disposition allerdings, wie beim Ersparnisverfahren, nur 
indirekt geprüft wird, braucht eine solche Zeit nicht gemessen zu werden, 
wenn die einzelnen Repetitionen im wesentlichen wieder in einfachen 
Lesungen an einem exakten Expositionsapparate bestehen. Bei der Treffer¬ 
methode in allen ihren Formen hingegen, bei der die aktuelle Gedächtnis¬ 
leistung unter bestimmten dispositioneilen Voraussetzungen selbst entwickelt 
werden soll, gehören die Zeitverhältnisse zur näheren Bestimmung der 
Leistung eigentlich stets hinzu. Dabei ist freilich an die Zeiten bis zur 
Reproduktion im Bewußtsein selbst gedacht, die nur in der Selbstbeobach- 
Schwierigkeiten dieses kombinierten Lernverfahrens, vor allem die Ungleichmäßigkeit 
der objektiven Einflüsse bei den einzelnen Wiederholungen hierbei wieder um so 
störender, je mehr neue Repetitionen erforderlich sind. Zu einem bloßen Vergleich der 
beiden Methoden wäre also nach dem ersten Reproduktionsversuch eher zunächst 
wieder eine passende Mischung von Lern- und Reproduktionsversuchen zu empfehlen.
        

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