Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit24817/577/
Die Neuauffas3ung mehrerer gleichzeitiger Reize. 
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läge der Auffassung irgendwelche speziellere Anforderungen gestellt werden, 
zunächst im wissentlichen Verfahren bei ausdrücklicher Konzentration der 
Aufmerksamkeit auf die kritische Stelle rein empirisch ausprobieren muß, ob 
die gewünschten Merkmale der Empfindungen, z. B. die Lesbarkeit eines Buch¬ 
staben, tatsächlich vorhanden sind, ein Prinzip, das ganz allgemein gilt, also 
auch für kurzdauernde Darbietungen auf anderen Sinnesgebieten, die deut¬ 
lichen Kontrasten der Erregungen in bestimmten Hinsichten ott noch viel 
weniger günstig sind, als es bei der Gesichtswahrnehmung selbst in para- 
zentralen Regionen des Sehfeldes bei genügender Größe der Objekte noch 
immer möglich ist. 
Bei allen derartigen Versuchen ist das Spiegelprinzip besonders 
vielseitig zu verwerten, das ja auch schon bei den S. 350 und S. 360 ge¬ 
nannten Anordnungen vorkam. Es läßt ein virtuelles Bild von Objekten, 
die nicht in der Gesichtslinie gelegen sind, in diese an Stelle der direkt 
Fig. 33. 
Grundriß der Anordnung des Spiegeltachistoskops. 
gesehenen Objekte einführen, wenn nur der Spiegel in die Gesichtslinie 
tritt. Dies kann entweder außerhalb der Hauptexposition geschehen, als 
einfache Verdeckung vorher und nachher, als eine von dem Hauptkomplex 
beliebig verschiedene Vorbereitung, als Auslöschung und dergl., oder es kann 
die Hauptexposition selbst bilden. Bei Vergleichsversuchen kann auch das 
virtuelle Bild den einen, das direkt gesehene Objekt den anderen Vergleichs¬ 
reiz darstellen. Selbst bei seiner einfachsten Verwendung zur einmaligen 
Exposition eines nachträglich wiederzugebenden Komplexes, also bei der 
hier behandelten Aufgabe, bringt das „Spiegeltachistoskop“ den auch am 
Projektionstachistoskop anerkannten Vorteil mit sich, daß die V.-P. auch bei 
binokularer Beobachtung auf die Hauptexposition scharf und ohne Doppel¬ 
bildzerlegung akkommodieren kann. 
Blickt z. B. bei einer Anordnung wie in Fig. 33 das Auge von A aus durch ein 
innen geschwärztes Rohr oder Binocle und den Schirm S in der Richtung nach 0, so 
sieht es bei richtiger Stellung des Spiegels T ein seitlich an dem Schirme gelegenes 
Flächenstück 0' genau in der Fläche 0 hinter dem Spiegel. Ist nun an einer zunächst nicht 
in der Gesichtslinie gelegenen Stelle des Spiegels dessen Belag abgelöst, so wird 
eine rasche Verschiebung des Spiegels in der nämlichen Ebene, bei der diese der Öffnung 
0 des Falltächistoskop-Schlittens Fig. 31 entsprechende belegfreie Stelle die Gesichtslinie 
passiert, ein bei 0 stehendes Objekt genau in der Akkommodationsebene kurz¬ 
dauernd exponieren. Bei den erwähnten einfachen tachistoskopischen Versuchen wäre 
0' natürlich nur gleichförmig weiß oder grau. Statt dessen könnte hier aber auch ein
        

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