Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik
Person:
Tigerstedt, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit24817/533/
Der Einfluß der Vorbereitung auf eine einzelne Elementarleistung. 319 
Positionen in ihrer ganzen Breite unter genau kontrollierbaren inneren 
und äußeren Bedingungen zu untersuchen und damit ein wichtiger Beitrag 
zur Lehre von der „Arbeit“ des aufmerksamen Beobachtens zu liefern. 
4. Die Versuche dieser ersten Hauptgruppe verlaufen also nach dem 
bisher Gesagten in der Weise, daß die V.-P. für einen bestimmten Augen¬ 
blick (bzw. für einen längeren Zeitraum) ihre Aufmerksamkeit nach Verab¬ 
redung einstellt, worauf an irgend einer Stelle des Untersuchungsgebietes 
eine bestimmte Reizstufe des zu beurteilenden Tatbestandes auftritt, die zur 
„Vollreihe“ für die Ableitung der Schwelle bezüglich eines Merkmales hin¬ 
zugehört. Am einfachsten erlangt man nun das Svmptomenbild der simul¬ 
tanen Dispositionen für die Auffassung einer kurzdauernden Verände¬ 
rung, die an irgend einer Stelle eines konstanten Wahrnehmungs¬ 
bestandes auftritt, der in jedem einzelnen Versuche zunächst immer erst 
wieder eine Zeitlang (mehrere Sekunden) dargeboten wird und nach kurzer 
Einübung im ganzen völlig geläufig geworden ist. Wenn auch diese genaue 
Kenntnis der jeweiligen konstanten Ausgangslage in jedem Zeitpunkte der 
ganzen Untersuchung der Erfolg aller vorangehenden Beschäftigungen mit 
ihr ist, so liegt doch die endgültige Voraussetzung für die Auffassung des 
Kontrastes der kurzdauernden Veränderung jeweils immer nur in dem zeit¬ 
lich unmittelbar vorhergehenden Endstadium, in dem eben gerade die ver¬ 
abredete Einstellung der Aufmerksamkeit erreicht sein soll. Da jeder kleinste 
Bezirk des bewußten Gesamtbestandes zu einer analogen Stelle des zeitlich 
unmittelbar darauffolgenden in gleich unmittelbarer Beziehung steht, so kann 
sich eine Tafel der Veränderungsschwellen besonders gleichmäßig über 
sämtliche Stellen eines beliebig fein gegliederten Feldes erstrecken, was bei 
einer Verwertung von Relationen simultaner Elemente des nämlichen Be¬ 
standes nicht möglich wäre. Dabei vollzieht sich die Auffassung einer Ver¬ 
änderung speziell auch noch in der Hinsicht unter besonders konstanten 
apperzeptiven Bedingungen, daß die Urteilsrichtung durch die relative 
Unselbständigkeit der an dem geläufigen Objekt erkannten Veränderung 
in natürlicher Weise festgelegt ist und nicht zwischen Haupt- und 
Vergleichsreiz schwanken kann. 
Ein „Querschnitt“ gleichzeitiger Dispositionen würde natürlich auch dann 
herausgelöst werden, wenn man nicht einfach eine Veränderung einer bis 
dahin konstanten Ausfüllung festzustellen, sondern einen ersten neu auf¬ 
tretenden Momentanreiz an einer nicht im voraus bekannten Stelle mit einem 
darauffolgenden, ebenfalls kurzdauernden Reiz von gleicher Lage zu ver¬ 
gleichen hätte. Hierbei würde jedoch die Leistung durch die relative Neu¬ 
heit der beiden entscheidenden Fundamente der Relationsauffassung noch 
weiterhin in einer Weise erschwert, die zwar an sich interessant, zum Studium 
des Grundcharakters der Wechselwirkungen zwischen simultanen Auffassungs¬ 
dispositionen überhaupt indessen zunächst nicht erforderlich ist. Diese 
Variante würde geradezu bereits auf dem Wege nach der Aufgabe mehr¬ 
facher gleichzeitiger Hauptleistungen liegen, die natürlich bei der Möglich¬ 
keit, selbst die einfachsten apperzeptiven Einheitsbildungen, in denen man 
sich „einen“ Reiz vergegenwärtigt, apperzeptiv weiterhin zu gliedern, nie¬ 
mals ganz scharf von unserem hier betrachteten Grenzfall abgetrennt 
werden kann.
        

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