Volltext: Handbuch der physiologischen Methodik, Dritter Band, Zweite Hälfte: Zentrales Nervensytem, Psychophysik, Phonetik (3)

Die subjektiven Äquivalente und die Unterschiedsschwellen. 
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tion“ die „Methode der Reproduktion und Wiedererkennung“ gegenüber¬ 
gestellt, zu der jene durch die Mithilfe von Vergleichsobjekten ergänzt 
werde. In diesem allgemeinsten Sinne nehmen wir also hier nunmehr 
die „Reproduktionsmethoden“ schlechthin, wenn wir sie von den Reaktions¬ 
methoden als einer zweiten Hauptgruppe unterscheiden. 
In gewissem Sinne enthält freilich auch die unmittelbare Wiedergabe 
eines wahrgenommenen oder gedachten Elementes oder einer Relation eine 
„Angleichung“ an entsprechende frühere Erlebnisse, von denen die bei der 
Wiedergabe benützten Begriffe herstammen, insofern eben auch hier stets 
Wieder erkennungen beteiligt sind. Diese gehören also zu dem ganzen Vor¬ 
gänge der Wiedergabe in jener Allgemeinheit bereits als notwendiger Bestand¬ 
teil hinzu. Dagegen würden sie noch nicht dazu berechtigen, die gesamten 
Reproduktionsmethoden etwa von vornherein unter die „Vergleichsmethoden“ 
zu subsummieren. Denn unter „Vergleichen“ versteht man immer nur eine 
Vergegenwärtigung von mindestens zwei relativ selbständig wahr¬ 
genommenen oder gedachten Gegenständen, die wir vergleichen und an 
denen wir dann eine Relation der Gleichheit oder Verschiedenheit usw. 
ähnlich erkennen bzw. wiedererkennen, wie einzelne Elemente oder Merk¬ 
male. Dagegen läßt sich von der einfachen Wiedererkennung von Objekten, 
wie sie uns schon früher begegnet sind, z. B. von der als „Lesen“ bezeich- 
neten unmittelbaren Wiedergabe neu aufgefaßter Buchstabenkombinationen 
u. ä., wenigstens im allgemeinen nicht sagen, daß bei ihr der neuen Wahr¬ 
nehmung Erinnerungen an frühere Buchstabenbilder von gleicher Art als 
selbständige Vergleichsinhalte an die Seite treten würden. Und wenn man 
auch nach Analogie zu anderen Prozessen annehmen darf, daß auch hier 
die Bekanntheitsqualität mit irgendwelchen bewußten Repräsentanten der 
früheren Kenntnis von gleichartigen Objekten zusammenhängt, so darf sich 
doch die Schilderung von Methoden nicht von vornherein von Hypothesen 
über die Struktur des dunkleren Bewußtseins leiten lassen, die durch ihre 
Ergebnisse nahegelegt werden. Aber auch die Bezeichnung aller Repro¬ 
duktionsmethoden als „Wiedererkeunungsmethoden“ wäre natürlich noch zu 
speziell, insofern doch die bekannten Symbole bei der Wiedergabe seitens 
der V.-P. so und so oft nur zur Reproduktion an sich neuer Tatbestände 
verwendet werden. Dagegen werden allerdings die experimentellen Hilfs¬ 
mittel bei den Reproduktionsmethoden überhaupt in ihren exakteren An¬ 
wendungen stets das nämliche objektive Reizschema einhalten, wie die exakte 
Analyse der eigentlichen Vergleichsprozesse. Denn auch die bloße Wieder¬ 
erkennung geläufiger Qualitäten und Formen auf Grund bestimmter Begriffe 
läßt sich um so genauer analysieren, je besser die wiederzuerkennenden 
Gegenstände und Vorgänge mit ähnlicher Eindeutigkeit experimentell ab¬ 
gestuft werden können, wie es bei gleichzeitig oder sukzessiv erfaßten 
Vergleichsobjekten beiderseits möglich ist und zur Ableitung von Fehlern 
und Schwellen in der hier ausführlich behandelten Weise führt. 
Weiterhin ist aber wohl auch klar, daß keine „Reiz- oder Eindrucks¬ 
methode“ denkbar ist, bei welcher der durch den Reiz ausgelöste Bewußt¬ 
seinsvorgang noch unmittelbarer als durch den hier als „Reproduktion“ be- 
zeichneten Akt der wissenschaftlichen Analyse zugänglich werden könnte. 
Denn selbst wenn sich diese Bearbeitung direkt an die eigene Selbst-
	        
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