6 Wilhelm Trendelenburg-, Das zentrale Nervensystem der warmblütigen Tiere.
Luch singer121-205) das Kaninchen für Reflexstudien am Rückenmark be-'
sonders ungeeignet, während junge Katzen und Ziegen sehr verwendbar sind.
Neben Art, Alter und Größe des Tieres ist aber weiter für Dauer¬
versuche, in denen genauere Funktionsprüfungen vorgenommen werden sollen,
sein ganzer „Charakter“ von größter Bedeutung. Mit Hunden und Katzen
wird man bei einiger Erfahrung besonders der Gehilfen schon zurechtkommen.
Katzen kann man bei manchen Beobachtungen am Kopf (Einfluß von Gift¬
wirkungen auf die Pupille oder dgl.) in einen Wachstuchsack, in welchem
die glatte Fläche nach innen gewendet ist, stecken und diesen am Hals des
Tieres so weit zuziehen, daß die Pfoten nicht herausgebracht werden können;
das Tier pflegt sich so sehr ruhig zu verhalten. Uber die allgemeine Be¬
handlungsweise für Katzen macht im übrigen Levy-Dorn195) einige An¬
gaben. Schwieriger sind Alfen zu behandeln. Von diesen scheinen manche Arten
weniger geeignet zu sein, wenigstens fand ich Meerkatzen sehr bissig und unzu¬
gänglich. Munk232) vermeidet überhaupt die Verwendung wilder oder scheuer
Tiere und hält sich an zahme, die man nach seiner Erfahrung unter den
Makaken häufig genug antrifft. Er betont weiter die Notwendigkeit einer
stets freundlichen Behandlung der sich möglichst frei herumbewegenden
Tiere, sowie das Vermeiden aller nicht direkt nötigen Hantierungen.
II. Vorbehandlung.
Hier sei in erster Linie kurz auf die geeignetste Fütterungsweise der
Tiere vor den Operationen hingewiesen, durch die einerseits eine möglichst
ungestörte Narkose, andererseits eine Verminderung der Blutungen erzielt
wird. Am Tage vor der Operation lasse man die Tiere ganz ohne Nahrung
und Wasser, und füttere sie auch schon einige Tage vorher etwas trocken
(bei Kaninchen mit Heu). Künstliche Entleerungen des Magendarmkanals
sind dann vor der Operation nicht weiter nötig, bei Hunden treten sie durch
die meist benutzte Morphiuminjektion von selber ein.
Die der Asepsis dienenden unmittelbar der Operation vorausgehenden
Vorbereitungen werden unten besprochen.
III. Narkose. Künstliche Atmung.
Sieht man von den nicht eigentlich mit der Methodik zusammenhängenden
Zwecken der Narkose ab, so soll durch sie bei Operationen am Zentral¬
nervensystem eine derartige Ruhigstellung des Tieres erzielt werden, daß
bei den Eingriffen keine allgemeinen Bewegungsäußerungen des Tieres ein-
treten, durch die der Erfolg von vornherein in Frage gestellt werden würde
(unbeabsichtigte Nebenverletzungen, Blutungen und Prolapse bei Pressen
u. a. m.). Auch bei den größten Eingriffen ist wenigstens im allgemeinen
der Grad der Narkose so zu wählen, daß die Tiere völlig ruhig bleiben,
was sich selbst bei Durchschneidungen von hinteren Wurzeln oder Mark-
durchschneidungen erreichen läßt. Auf die Bedeutung der Narkose zur
Vermeidung von „Shock“ wurde schon oben hingewiesen.
Von den vielen Mitteln zur Allgemeinnarkose seien hier nur die¬
jenigen kurz angeführt, die sich gerade bei Operationen am Zentralnerven-