Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Apparate für psychologische Untersuchungen, Katalog XXI
Person:
Spindler & Hoyer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit23709/77/
SPINDLER & HOYER G.m.b.H. GÖTTINGEN 
VI. Apparate für Reaktionsversuche. 
Vorbemerkung und Angabe von Schaltungen. 
Reaktionsversuche sind bekanntlich solche Versuche, bei welchen der Beobachter 
auf gegebene Reize möglichst schnell mit bestimmten Bewegungen zu reagieren hat, 
event, nach Zwischenschaltung gewisser Aufgaben, und bei welchen die Zeit vom Be¬ 
ginne des Reizes bis zum Beginne der Reaktion gemessen wird. Denn aus dieser 
Reaktionszeit lassen sich unter Umständen Schlüsse auf die Dauer, Kompliziertheit 
und Art der psychischen Vorgänge zwischen der Einwirkung des Reizes und der 
Reaktion ziehen. Die Versuche haben daher ein weites Anwendungsgebiet in der 
Psychologie und Pathologie. Vor allem ist es gelungen, Aufschlüsse über die relative 
Dauer zentraler Vorgänge (Reproduktion, Apperzeption etc.) unter versdiiedenen Um¬ 
ständen (Aufmerksamkeit, Hemmungen, Ermüdung etc.) zu erhalten und damit eine 
wertvolle objektive Eigenschaft derselben kennen zu lernen. 
Die Versudisanordnung hat nach dem Gesagten vor allem die Aufgabe, die 
Messung der Zeit zu ermöglichen. Hierzu können verschiedene Chronoskope ver¬ 
wendet werden. Meistens benügt man das nach Hipp, u. zw. das modèle courant 
desselben (Nr. 1 a). Es können jedoch auch die Chronoskope Nr. 2, 3 und 4 verwendet 
werden. Das legtere ist durch seine Einfachheit ausgezeichnet sowie dadurch, dag es 
zugleich Vorrichtung zur Reizung und zur Reaktion enthält (vgl. auch die Anm. zu Nr. 4). 
Ferner sei verwiesen auf das Universalpendel Nr. 16 das als „Pendelchronoskop“ 
auch zur Zeitmessung dient und gleichzeitig als Reizinstrument verwendbar ist. End¬ 
lich seien erwähnt ein Chronoskop nadi Nets chaj eff, das ebenfalls mit Reiz- und 
Reaktionseinrichtung versehen ist, und ein nodi im Bau befindliches Chronoskop nadi 
Rupp, bei welchem das Prinzip der Sanduhr verwendet ist (vgl. auch Anm. zu Punkt i) 
der Vorbemerkung von Gruppe VII und die Anm. zu Nr. 216). 
Bei den meisten dieser Chronoskope gesdiieht die Ein- und Ausschaltung des 
Zeigerwerkes auf elektromagnetischem Wege. Daher sind die im Folgenden an¬ 
geführten Reiz- und Reaktionsinstrumente so eingerichtet, dag im Moment, wo der Reiz 
erscheint bezw. wo die Reaktion beginnt, ein Kontakt geöffnet oder geschlossen wird. 
Im Folgenden sind die wichtigsten Arten angeführt, nach denen das Hipp mit 
dem Reiz- und dem Reaktionsinstrument in einen Stromkreis geschaltet werden 
können. Die verschiedenen Schaltungen unterscheiden sich in zweifacher Hinsicht. 
Einmal dadurch, dag bei den einen Schaltungen die Elektromagneten des Hipp 
während der Reaktionszeit von einem elektrischen Strom durchflossen werden (Strom- 
schliegung während der Reaktionszeit), bei den anderen Schaltungen der Strom 
während der Reaktionszeit geöffnet, hingegen vor- und nachher geschlossen ist 
(Stromöffnung während der Reaktionszeit). Im ersten Falle wird im Hipp das untere 
Paar von Elektromagneten benugt und die obere Feder stärker gespannt; im legteren 
Falle wird das obere Paar benugt und die untere Feder stärker gespannt. — Zweitens 
kann man die Schaltungen nach dem Gesichtspunkt einteilen, ob das Reiz- und das 
Reaktionsinstrument für Öffnung oder für Schliegung eines Kontaktes eingerichtet 
sind. — Darnach gibt es 4 Kombinationen: a) Schliegung-Öffnung, d. h. das Reiz¬ 
instrument ist für Schliegung, das Reaktionsinstrument für Öffnung eingerichtet, 
b) Öffnung-Schliegung. c) Schliegung-Schliegung. d) Öffnung-Öffnung. Nimmt man 
die erste Einteilung hinzu (Stromschliegung, Stromöffnung während der Reaktionszeit), 
so gibt es somit 8 Kombinationen. Dabei ist von den Schaltungen abgesehen, in 
welchen beide Paare von Elektromagneten im Hipp benugt werden. 
Es ist nicht wertlos, sidi für möglichst viele Kombinationen die entsprechenden 
Schaltungen gegenwärtig zu halten. Denn erstens kann es sein, dag ein Paar von 
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