Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Svalöfer Methode zur Veredelung landwirtschaftlicher Kulturgewächse und ihre Bedeutung für die Selektions-Theorie
Person:
de Vries, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit23563/1/
Archiv 
für 
Rassen- und Gesellschafts-Biologie 
einschliefslich Rassen- und Gesellschafts-Hygiene. 
Herausgegeben von Dr. A. Ploetz in Verbindung mit 
Dr. A. Nordenholz, Prof. Dr. L. Plate und Dr. R. Thurnwald. 
3. Jahrgang. 
3. Heft. 
Mai—Juni 1906. 
Die Svalöfer Methode 
zur Veredelung landwirtschaftlicher Kulturgewächse 
und ihre Bedeutung für die Selektions-Theorie. 
Von 
HUGO DE VRIES, 
Amsterdam. 
In landwirtschaftlichen Kreisen erweckt die neue, in S v a 1 ö f be¬ 
gründete Methode ein rasch zunehmendes Interesse. Zahlreiche neue Ge¬ 
treidearten hat sie in kurzer Zeit dem Großbetrieb übergeben, und fast 
überall in Schweden verdrängen diese die älteren Arten, indem sie dem 
Klima und Boden, sowie den speziellen Kulturerfordernissen weit besser 
•angepaßt sind, und bedeutend größere und wertvollere Erträge geben. 
Diese Methode beruht auf einem Selektionsverfahren wesentlich anderer 
Art als das jetzt herrschende. Sie geht von neuen Erfahrungen über das 
Wesen der Variabilität aus und hat daraus ebenso einfache als klare Prin¬ 
zipien für die praktische Züchtung abgeleitet. Sie ist imstande, jährlich 
Hunderte von guten neuen Sorten den vorhandenen zuzufügen, und kann, 
da eine solche Vermehrung der Typen die Bedürfnisse offenbar weit über¬ 
steigt, aus den besten die allerbesten auswählen, und nur diese tatsächlich 
in den Handel bringen. 
Das Prinzip der Methode wurde vor etwa fünfzehn Jahren von dem 
Direktor der Versuchsanstalt, Herrn Dr. Hj aim ar Nilsso n, entdeckt. Er 
beobachtete, daß die Arten der landwirtschaftlichen Pflanzen, welche an¬ 
erkannterweise Kollektiv-Arten sind, aus einer sehr viel größeren Schar 
von Unterarten bestehen als man bis dahin vermutete. Diese Unterarten 
sind voneinander sowohl in botanischen als in praktisch wertvollen Eigen¬ 
schaften verschieden, und bieten in letzterer Hinsicht nahezu alles, was er¬ 
forderlich ist, um den gerade herrschenden Bedürfnissen zu entsprechen. 
Man hat, mit anderen Worten, nur aus dem Vorhandenen auszuwählen, 
um zu finden, was man wünscht. Andererseits sind diese neuen Sorten 
durchaus konstant und einförmig, und es kommt nur darauf an, sie von 
Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie, 1906. 
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