Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die psychodynamischen Grundthatsachen
Person:
Lehmann, Alfred Georg Ludwig
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit22958/30/
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ist, als zu zeigen, wie die thatsächlich bestehenden 
Verhältnisse sich überhaupt als möglich denken lassen, 
können wir gern hierbei stehen bleiben. 
Es erübrigt noch, das andere Verhalten zu erörtern, 
das zwischen gleichzeitigen Bewegungen im Zentral¬ 
nervensystem eintreten kann, nämlich deren gegen¬ 
seitige Bahnung. Auch diese ist von verschiedenen 
Physiologen zunächst mittels der Reflexbewegungen 
untersucht worden. Die Erscheinung äufsert sich im 
Gegensatz zur Hemmung dadurch, dafs eine Bewegung 
in einem Reflexzentrum einer anderen, gleichzeitigen 
oder kurz darauf eintretenden Bewegung den Weg 
bahnen, dieselbe verstärken oder fördern kann, so dafs 
letztere einen Reflex auszulösen vermag, wozu sie ohne 
Hilfe der ersteren sonst nicht fähig sein würde. Mit 
Bezug auf die Bedingungen für das Eintreten einer 
Bahnung zeigen die Versuche, dafs durchweg nur 
schwache und kurze Reizungen bahnend wirken. So 
wird die künstliche Reizung eines Reflexzentrums für 
einen Sinnesreiz bahnend wirken können, der durch 
dieses Zentrum den Reflex auslöst, oder umgekehrt, 
der Sinnesreiz kann für die künstliche Reizung des 
Zentrums bahnend wirken. Ebenfalls findet man, dafs 
der erste Sinnesreiz für den folgenden derselben Art 
bahnend wirkt; aufserdem hat man Beispiele, dafs zwei 
Reize, die gar nichts miteinander zu thun haben, wie 
z. B. ein Schallreiz und eine Berührung, einander unter¬ 
stützen können. Die Reizung der Vorderpfote eines 
Tieres kann für eine Reizung der Hinterpfote bahnend 
wirken, ebenfalls eine Reizung der linken für die der 
rechten Pfote. Diese Versuche zeigen, dafs jeder Reiz, 
je nach den Umständen, bahnend oder hemmend wirken 
kann; welches Resultat er erzeugt, beruht zunächst 
auf seiner Stärke und Dauer. Dies ist nach der Er¬ 
klärung der Hemmung, die wir oben gaben, denn auch 
leicht zu verstehen. Ist ein Reiz so stark und an¬ 
dauernd, dafs er einen starken intercellulären Energie¬ 
strom nach einem bestimmten Punkte des Zentralorgans 
hervorruft, so wird dieser Strom auf andere gleich¬ 
zeitige Bewegungen notwendigerweise hemmend wirken. 
Ist der Reiz aber nur schwach und kurz, so wird der 
im Zentralorgan hervorgerufene-Strom seiner geringen
        

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