Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das absolute Sphygmogramm und seine klinische Bedeutung, nebst kritischen Bemerkungen über einige neuere sphygmomanometrische Arbeiten
Person:
Sahli
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit22712/4/
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XXI. Sahli 
Damit sind aber die Schwierigkeiten der Deutung des Sphygmo¬ 
grammes noch nicht erschöpft. Das erste und selbstverständlichste 
Postulat, das die Mathematik für die quantitative. Verwertung 
irgend einer Kurve aufstellen muß, ist offenbar, daß die Ordinaten 
und Abscissen der Kurve in bekannten Maßstäben gezeichnet sein 
müssen. Für die Abscisse eines Sphygmogrammes ist dies der 
Fall, wenn wir die Kurve, wie es beim Ja quetschen Sphygmo- 
graphen leicht möglich ist, mit einer Zeitmessung versehen. Die 
Ordinaten des Sphygmogrammes dagegen sind mit einem unbe¬ 
kannten Maßstab geschrieben, der, was besonders schlimm ist, da¬ 
zu noch von Sphygmogramm zu Sphygmogramm wechselt. Die 
■Größe der Ordinaten, welche man bei der Aufnahme eines Sphygmo¬ 
grammes erhält, ist nämlich abgesehen von der Größe der pulsa- 
torischen DrUckschwmrikung abhängig erstens von der Stärke der 
Sphygmographenfeder, zweitens von den beim sphygmographieren 
zustande kommenden Modifikationen der Federspannung durch das 
mehr oder weniger feste Aufbinden des Sphygmographen und die 
Einstellung des Exzenters, ferner von der mehr oder minder ex¬ 
akten axialen Applikation der Sphygmographenpelotte auf die 
Arterie, von der mehr oder weniger starken Bedeckung der Arterie 
durch Weichteile und nicht am wenigsten von der verschiedenen 
Weite der Arterie, die man sphygmographiert. In letzterer Be¬ 
ziehung ist daran zu erinnern, daß die Kraft, mit welcher eine 
Arterie/lie Sphygmographenfeder hebt, ceteris paribus von ihrer Weite 
deshalb abhängig ist, weil auf jedes Flächenelement der Arterien¬ 
oberfläche, somit auch auf jedes Flächenelement der Pelotte (so¬ 
weit sie mit der Arterie in Berührung steht) der nämliche hydro¬ 
statische Druck des Blutes wirkt. Berührt also z. B. die Pelotte 
die Arterie in der Ausdehnung von 1 qccm, so wird sie ceteris paribus 
mit der doppelten Kraft und somit höher gehoben, als wenn die 
Berührungsfläche bloß -J/a qccm beträgt. 
Die Folge dieser Unbestimmtheit der Größe der Ordinaten des 
Sphygmogrammes ist, daß der Begriff der Größe des Pulses, wie 
ich in meinem Lehrbuch auseinandergesetzt habe, ein durchaus unbe¬ 
stimmter ist, daß man also z. B. von einer in Wirklichkeit kleinen 
systolischen Druckzunahme unter Umständen ein höheres Sphygmo¬ 
gramm erhalten kann als von einem Puls mit größerer systolischer 
Druckzunahme. Es ist dies selbst dann der Fall, wenn man bei 
der sphygmographischen Aufnahme in jedem Fall die maximale 
Kurvenhöhe zu erzielen bestrebt ist. 
Infolge dieser Abhängigkeit der Kurvenhöhe von unwesentlichen
        

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