Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Entstehung der Schlafbewegungen der Blattorgane
Person:
Pfeffer, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit22456/87/
79] Über die Schlafbewegungen der Blattorgane. 335 
die Blättchen von Albizzia lophantha1), daß das Zeitmaß für einen 
durch einen Beleuchtungswechsel ausgelösten Hin- und Hergang 
mit der Intensität des Lichtreizes und mit den übrigen Außen¬ 
bedingungen in ziemlich weiten Grenzen schwankt, und daß 
speziell auch die Nachschwingungen der Schlafbewegungen nicht 
genau den Tagesrhythmus einhalten. Diese früher (1875) er¬ 
haltenen Resultate fand ich bei meinen erneuten Untersuchungen 
bestätigt, bei denen sich außerdem ergab, daß durch einen kürzeren 
(sowie bis zu einem gewissen Grade durch einen längeren) Be¬ 
leuchtungsrhythmus auch ein entsprechender Bewegungsrhythmus 
erzielt werden kann. Es tut aber, wie schon erwähnt, nichts zur 
Sache, daß andere Objekte nur einen begrenzteren Spielraum ge¬ 
währen, wie z. B. die Blätter von Phaseolus, bei denen in aus¬ 
gesprochener Weise die Tendenz besteht, bei den Nachschwin¬ 
gungen in einen 12:12 ständigen Rhythmus überzugehen. (Vgl. § 8.) 
Die hier angedeuteten und die sich anschließenden Bezie¬ 
hungen hat Semon nicht mit genügender Klarheit auseinander¬ 
gehalten. So ist es gekommen, daß er eigentlich nur für die 
Existenz einer erblichen Disposition plaidiert, die einen fest be¬ 
stimmten Schwingungsrhythmus bedingt und doch von Erblichkeit 
der Bewegungstätigkeit redet. Ebenso ist es, wie schon dargetan 
wurde, ein Irrtum, wenn Semon auf Grund der angenommenen 
Existenz einer durch die Eigenschaften des Objekts bestimmten 
Rhythmik folgert, daß die Schlafbewegungen keine aitionastischen 
Reaktionen sein können. Daß bei diesen aber wiederum die Nach¬ 
schwingungen nicht mit dem Zeitmaß der direkten Reaktions¬ 
erfolge übereinstimmen müssen, wie es Semon zu fordern scheint, 
ist bereits betont worden. 
Wie bei allen physiologischen Studien, müssen wir auch bei 
dem Studium der Tagesbewegungen die erblich überkommenen 
Eigenschaften (reaktioneilen Befähigungen) zunächst als gegeben 
hinnehmen, und es ist eine andere Frage, wie diese Eigenschaften 
bei der Entstehung und Umbildung der Art gewonnen wurden. 
Auf diese Frage, die bei Semon'speziell mit Rücksicht auf das 
Erblichwerden erworbener Eigenschaften (reaktioneller Vorgänge) 
gerade in dem Vordergrund steht, haben wir hier nicht ein zu - 
1) Es ist dieses die einzige Pflanze, mit der Semon eingehende Versuche 
anstellte.
        

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