Bauhaus-Universität Weimar

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sparen, daß sie in falsch angebrachtem Christentum hierbei erst zuletzt an 
sich selbst gedacht hat und vorerst alle anderen teilhaben ließ. Es hängt dies 
auch damit zusammen, daß die Entwicklung aus der akademisch-lebensfernen 
Zone ins praktische Leben der Seelenkunde selbst etwas beschleunigt über 
den Kopf gewachsen ist. Trotzdem erfordern gerade wirtschaftliche Gründe, 
daß die Psychotechnik selbst in rücksichtslosester Form rationell im eigenen 
Betriebe arbeitet. Die Einrichtung neuer Laboratorien scheitert immer wieder 
am Finanziellen, aber sie wird um so eher möglich, je sicherer das betriebs¬ 
technische Fundament des Unternehmens ist. Wir stehen hierbei noch in den 
Anfängen. Welche grundsätzlichen organisatorischen Gesichtspunkte zu er¬ 
wägen sind und inwieweit sie heute, wenn auch sehr bescheiden, sich ver¬ 
wirklichen lassen, möge darum kurz angedeutet sein. Ich möchte an dieser 
Stelle folgende Punkte hervorheben: 
Die erste Frage in organisatorischer Hinsicht ist die der Anwendungs¬ 
richtung und Klientel. Von beiden hängen dann die Leitlinien ab, welche 
die grundsätzliche Prüfmittelwahl als stoffliches und die Mitarbeiterschaft 
als das persönliche Prinzip bestimmen. 
Bei Einrichtung von psychotechnischen Prüfstellen muß man sich von 
vornherein klarmachen, welche Aufgaben sie zu erfüllen haben. 
Man darf sagen, daß die meisten Prüfstellen sich heute viel zu stark nur 
auf die Eignungsprüfung hin orientieren, während die Objektspsychotechnik 
das kommende Gebiet ist. 
Vorteilhaft wird daher sein, eine Verbindung der Subjekts- und Objekts¬ 
technik auch in den Apparaten schon zu suchen. Hierbei umfaßt die Subjekts¬ 
psychotechnik das Gebiet der Eignungsprüfung, Anlernung und der psycholo¬ 
gischen Therapie, die Objektspsychotechnik die psychologische Eichung von 
Geräten und arbeitspsychologische Forschung überhaupt. 
Die Apparate und Vorrichtungen für Subjektspsychotechnik müssen bei 
praktischen Instituten etwas anders organisiert sein als für Objektspsycho¬ 
technik. Außerdem ist selbstverständlich, daß ein Institut, welches für fest- 
umrissene Aufgaben mit mehr oder minder abgeschlossenen Prüfformen ar¬ 
beitet, die Einrichtung etwas verändern wird, als ein Laboratorium, welches 
forscht. Dies gilt besonders für die kleinen Stellen der Industrie und Berufs¬ 
beratungsämter, die ja in wenigsten Fälen wissenschaftliche Forschungen be¬ 
treiben möchten, sondern nach bestimmten Regeln und vorgeschriebenen 
Normen praktisch die Masse der Prüflinge zu bewältigen haben. 
Wenn diese „Eignungsprüfung” treiben, so müssen sie daher möglichst 
Einrichtungen besitzen, welche in jeder Form völlige Gleichförmigkeit der Ver¬ 
suchsbedingungen verbürgen, Raum sparen und Arbeitspersonal wie Zeit bei 
der Bedienung im Mindestmaß benötigen. Es sind dies dann Einrichtungen, 
welche — ständig eingebaut — mehr oder minder unverändert tagtäglich zur 
Anwendung kommen. 
Treibt dagegen die Subjektspsychotechnik Anlernung oder Therapie 
(etwa von Hirnverletzten, Nervösen), so bedürfen derartige Prüfstellen zwar 
auch nur bestimmter einheitlicher und ausgewerteter Arbeitsmittel: Diese 
Vorrichtungen dagegen müssen einen täglichen Wechsel der Anordnung ge-
        

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