Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grenzen des Empfindungsvermögens und des Willens
Person:
Preyer, William T.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit22229/3/
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PREYER: 
Viel höhere Zahlen erhielt hei gewöhnlichem Tageslicht Plateau1). 
Eine in 12 weisse und 12 gleich grosse schwarze Sectoren getheilte Scheibe 
erschien gleichmässig grau, wenn jede ihrer Umdrehungen 0,182 bis 0,198 
Secunde dauerte, so dass erst hei 60 bis 66 Lichteindrücken in derSecunde 
Continuität eintreten würde. Bei Anwendung farbiger Sectoren sind weniger 
erforderlich. Die Grenzwerthe der 12 Versuche von Plateau sind 37,1 
(Blau) und 62,5 (Gelb) Reize in einer Secunde. Diese Zahlen haben jedoch, 
weil sie mit zu vielen Fehlerquellen umgeben und aus einer zu geringen 
Zahl von Versuchen abgeleitet sind, wie der Verfasser selbst sagt, nur einen 
relativen Werth. Emsmann2) wiederholte Plateau’s Versuche nach einer 
zwar rücksichtlich des zum Rotiren benutzten Räderwerks etwas abweichen¬ 
den, im Wesentlichen aber durchaus ähnlichen, nur offenbar genaueren 
Methode. Er fand denn auch Werthe, welche mit denen anderer Forscher 
besser übereinstimmen, nämlich für eine kreisrunde weisse Scheibe, aus der 
12 Sectoren so ausgeschnitten waren, dass sie mit den stehengebliebenen 
gleiche Breite hatten, und welche vor einer schwarzen Sammtfläche rotirte, 
die Umlaufszeit 0,55 Secunde. Dies entspricht 21,8 Lichteindrücken in einer 
Secunde. Emsmann bemerkt ausdrücklich den Resultaten Plateau’s ge¬ 
genüber, er habe das Minimum der Umdrehung’szeit zu ermitteln für nöthig 
gehalten. Dagegen fehlt hier die Angabe, ob die Versuche bei Tages- oder 
Lampenlicht angestellt wurden. 
Brücke3) fand im hellen Tageslicht beim Betrachten rotirender Schei¬ 
ben, welche in schwarze und weisse Felder getheilt waren, einen von der 
Umdrehungsgeschwindigkeit abhängigen Unterschied in der Helligkeit, so 
zwar, dass ein Maximum derselben eintrat bei 17,4 Lichteindrücken4) in der 
Secunde. Diese Zahl beträgt etwas mehr als die Hälfte von derjenigen, 
welche für Brücke’s Auge erforderlich war, um jede Spur der Unterbre¬ 
chungen vollständig auszulöschen. Wir schliessen hieraus, eine etwas ge¬ 
ringere als eine 34,8malige5) Wiederholung des Reizes in einer Secunde habe 
eine continuirliche Wirkung hervorgerufen. 
1) Ueber einige Eigenschaften der vom Lichte auf das Gesichtsorgan hervorgebrachten Eindrücke. 
Poggendorffs Annalen XX, Leipzig 1830, S. 313. 
2) Ueber die Dauer des Lichteindrucks. Ebenda XCI, Leipzig 1854, S. 611—618. 
3) Ueber den Nutzeffect intermittirender Netzhautreizungen. Sitzungsberichte der Akademie der 
'Wissensch. in Wien XLIX, 21. Jan. 1864. 
4) Dies ist das Mittel aus 12 Versuchen, deren Ergebnisse zwischen 15,36 und 18,43 liegen. 
5) Das Minimum ist 30,7 und das Maximum 36,8.
        

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