Bauhaus-Universität Weimar

Intensität der Empfindungen. Gesichtssinn. 
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merkte, und dass jeder derselben nur bei einem gewissen engbe¬ 
grenzten Helligkeitsgrad' sichtbar ist. 
Weiter haben Versuche von Aubert1 gezeigt, dass das psychophysische 
besetz nur annäherungsweise richtig ist. (Bei Gelegenheit der Einwen¬ 
dungen gegen das Gesetz wird noch einmal von diesen Versuchen die 
jjede sein.) Delboeuf2 hat nach einer Methode, welche von J. Plateau3 
angegeben ist, und welche im wesentlichen identisch ist mit der Art aus 
der Sterngrössenschätzung psychophysische Schlüsse zu ziehen, unser Ge¬ 
setz geprüft, und fand Resultate, welche Fechner gegen diejenigen Aubert’s 
;ng Feld führen konnte, indem er hervorhebt, dass bei den AuBERT’schen 
Versuchen sich constante Fehler eingeschlichen haben dürften, da sonst 
die Resultate Delboeuf’s nicht gut möglich wären.4 
Einen auffallenden Versuch führt Camerer 5 an. Er prüfte das psy¬ 
chophysische Gesetz für seine farbenblinden Augen und fand es für die¬ 
selben nicht zutreffend, während es für zwei andere Beobachter annähernd 
zutraf. Die Prüfung war durch Schattenversuche vorgenommen. 
Es fragt sieb weiter, ob das psychophysische Gesetz auch für 
farbiges Licht Gültigkeit hat. Lamansky 6 und Dobrowolsky 7 kom¬ 
men insoferne zu ähnlichen Resultaten, als beide eine obere und eine 
untere Gränze unseres Gesetzes auch für farbiges Licht constatirten 
(es ergiebt sich die Thatsache derselben schon aus der täglichen 
Erfahrung) und fanden, dass zwischen diesen beiden eine approxi¬ 
mative Richtigkeit obwaltet. Beide Beobachter arbeiteten mit Spec- 
tralfarben. 
Endlich hat sich das Gesetz auch für den Fall bestätigt, dass 
ein farbiges Licht mit weissem Lichte gemischt wird. Dobrowolsky 
verglich eine weisse Fläche mit einer danebenbefindlichen, welche 
eine ebenmerkliche Zumischung einer Farbe enthielt. Er fand, dass 
diese Zumischung annäherungsweise bei demselben Mischungsverhält- 
niss von farbigem und neutralem Lichte unmerklich wird, wie auch 
die absolute Intensität geändert werden mochte. Bei Aenderungen 
der letzteren zwischen 1 und 0,0302 variirte jenes Verhältniss für 
1 Aubert, Physiologie der Netzhaut. S. 54. Breslau, bei Morgenstern. 1865. 
2 Die diesbezüglichen Untersuchungen dieses Forschers sind niedergelegt in: 
Etude psychophysique. Bruxelles, Hayez. 1873 ; dasselbe in Mém. de l’Acad. roy. de 
Belgique XXIII; Théorie génér. de la sensibilité. Bruxelles, Hayez. 1876; Laloipsy- 
ebophysique. Revue philosophique de la France et de l’Etrdnger parRibot. p. 225. 
Paris, Baillière. 1877. 
3 J. Plateau, Bull. d. l’acad. d. Belg. XXXIII. 1872, dasselbe in Ann. d. Physik. 
CL. St. 3. S. 465 1873. Vergl. ferner: Compt. rend. LXXV. 1872 und Bull. d. l’acad. d. 
Belg. XXXIII. 2. Sér. p. 250. 
4 Fechner, In Sachen der Psychophysik. S. 155. Leipzig, Breitkopf u. Härtel. 
1877. 
5 Camerer, Klin. Mon.-Bl. f. Augenheilkunde. 1877. 
6 Lamansky, Ann. d. Physik. CXLIII. und Arch. f. Ophthalmologie. XVII. 
7 Dobrowolsky, Arch. f. d. ges. Physiol. XII. S. 441. Vergl. auch ehend. S. 432 
ü»d dessen Beiträge zur physiolog. Optik.
        

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