Bauhaus-Universität Weimar

Motorische Rindenfelder des Kaninchens. 
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Auf diese Weise fand Nothnagel zwei Stellen der Hirnrinde, 
deren Zerstörung charakteristische Erscheinungen nach sich zieht. 
Die Zerstörung der ersten bewirkt Erscheinungen an der entgegen¬ 
gesetzten Vorderpfote, welche jenen entsprechen, welche Fritsch und 
Hitzig *, Goltz u. A. bei Exstirpationsversuchen sahen, nämlich jene 
schon besprochene Ungeschicklichkeit im Aufsetzen des Beines und 
die Eigentümlichkeit, dass dasselbe nicht zurückgezogen wird, wenn 
man es sachte in eine unbequeme Lage bringt, z. B. während das 
Thier ruhig sitzt ad maximum nach vorne zieht. Dieses Rindenfeld 
liegt an der convexen Seite der Hemisphäre, sein Centrum etwas vor 
der Mitte ihrer Länge, und scheint identisch zu sein mit einer Hirn¬ 
stelle, in welcher Fekrier auf Grund seiner Reizversuche zwei Felder 
unterscheidet (s. die vorstehende Figur), deren erstes der Retraction 
und Adduction, deren zweites der Streckung nach vorne und Schulter¬ 
erhebung des betreffenden Vorderbeines vorsteht. 
Das zweite Rindenfeld, das Nothnagel auf dem angeführten 
Wege fand, liegt im vorderen Theil der unteren Hemisphärenfläche. 
Zerstörung desselben hat eine starke Abweichung beider entgegen¬ 
gesetzter Extremitäten nach innen, und eine weniger ausgeprägte 
Abweichung beider gleichseitiger nach aussen zur Folge. Diese Ab¬ 
weichungen zeigen sich nicht nur beim Springen, auch beim ruhigen 
Sitzen sind sie so bedeutend, dass die Zehen der der operirten ent¬ 
gegengesetzten Seite, auf der operirten Seite unter der Brust zum 
Vorschein kommen können. 
Diese Störungen verschwanden, wenn die Thiere am Leben 
blieben, im Laufe von einigen Wochen wieder. Auch Obersteiner1 2 
experimentirte an Kaninchen. 
Weniger Rindenfelder als beim Kaninchen lassen sich (nach 
Ferrier) beim Meerschweinchen und bei der weissen Ratte nach- 
weisen; kaum mehr als Spuren von Rindenfeldern bei der Taube 
(Ferrier) und beim Frosche (Ferrier, Langendorff 3), und nur 
mehr unverständliche Bewegungen sind es, welche durch Reizung an 
den Hemisphären der Fische hervorgerufen werden können (Ferrier). 
Es scheint aus Ferrier’s weitläufigen Versuchen mit Bestimmt- 
1 Fritsch u. Hitzig, Ueb. d. elektr. Erregbark. d. Grosshirns. Arch. f. Anat. u. 
Physiol. 1870. 
2 Obersteiner, Die motorischen Leistungen d. Grosshirnrinde. Strieker’s med. 
Jahrbücher. 1878. 
3 Langendorff, Ueber die elektr. Erregbarkeit der Grosshirnhemisphären des 
Frosches. Centralbl. f. d. med. Wiss. 1876. Vergl. auch die Angaben Heubel’s, Das 
„Krampfcentrum“ des Frosches und sein Verhalten zu gewissen Arzneistoffen. Arch, 
f. d. ges. Physiol. IX u. d. Versuche von Sigm. Exner, Exper. Unters, d. einf. psych. 
Processe. Arch. f. d. ges. Physiol. VIII u. Arch. f. Anat. u. Physiol. 1877. S. 570 Anm. 
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