Bauhaus-Universität Weimar

Dreidimensionale Analyse von Ausdrucksbewegungen. 
Von 
R. Sommer, 
Professor in Giessen. 
(Mit 8. Fig.) 
I. 
Bei den Beobachtungen über psychopathische Zustände ist 
die Aufmerksamkeit allmählich immer mehr auf einen Punkt 
gelenkt worden, welcher früher hinter der Behandlung der sprach¬ 
lichen Reaktionen sehr zurückgetreten war, nämlich auf gewisse 
TTa.ltnngp.ri und Bewegungen, die von dem Normalen völlig ab¬ 
weichen und deren diagnostische Bedeutung sich immer deut¬ 
licher erwies. Aus den symptomatischen Begriffen des Stupors, 
der Katalepsie, des Negativismus, der automatischen 
Wiederholung gewisser Bewegungsreihen u. s. f., also wesentlich 
aus motorischen Elementen, gestaltete sich allmählich das kli¬ 
nische Krankheitsbild der Katatonie, dessen Kern abnorme 
Innervationszustände bilden. 
Entsprechend dieser neuen Richtung des psychiatrischen In¬ 
teresses ging eine Ergänzung der klinischen Untersuchungs¬ 
methoden vor sich. An Stelle der rein verbalen Beschreibung 
suchte man diese abnormen Muskelzustände durch optische Re¬ 
produktion zu fixiren und einer nachträglichen Betrachtung und 
Vergleichung zugänglich zu machen. 
Es erscheint mir nun als eine der wichtigsten klinischen 
Aufgaben neben der optischen Methode der Nachahmung auch 
die realen Bewegungen des Körpers, welche jene 
auffallenden Erscheinungen hervorbringen, dar¬ 
zustellen. 
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