Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Züchtung neuer Getreiderassen mittelst künstlicher Kreuzung. Kritisch historische Betrachtungen
Person:
Tschermak, Erich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit21305/4/
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aufgetreten, vö.llig constant bleiben, mögen auch die 
Träger in anderen Eigenschaften noch variiren. Von den 
Trägern des dominanten Merkmales in der zweiten 
Generation „vererbt” nur ein Drittel dasselbe constant, 
die anderen zwei Drittel liefern dominantmerkmalige 
und recessivmerkmalige Descendenten wieder im Ver¬ 
hältnisse von 3:1. Schon bei dem Mendel’schen Schema 
waren als „Ausnahmen” gewisse Merkmale als verkoppelt zu 
erkennen, z. B. Purpurfleckung der Blattachseln und purpurfarbene 
Blüthe, in ganz seltenen Einzelfällen kam ferner gleichzeitige 
Ausprägung oder Mischung beider concurrirender Merkmale, so¬ 
wie andeutungsweise Mosaikbildung vor (Tschermak). Immerhin 
lässt sich das Mendel’sehe Schema als das einfachste Beispiel 
der gesetzmässigen Werthigkeit der Merkmale sehr gut unserer 
kritischen Prüfung der bisher ausgeführten Kreuzungen am Ge¬ 
treide zu Grunde legen. Für gewisse Rassenunterschiede wird 
sich dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit der Werthigkeits- 
charakter dominant oder recessiv mit allen den oben angedeuteten 
Gonsequenzen ergeben — andere Merkmale werden jedoch anderen, 
complicirteren Schematen folgen. Es werden sich so vorläufige 
Werthigkeitstabellen gewinnen lassen, welche allerdings noch der 
genauen Nachprüfung bedürfen, die aber die nothwendige Grund¬ 
lage eines rationellen Züchtungsplanes darstellen. 
Die Technik der künstlichen Kreuzung bei Getreide werde 
ich erst bei der Mittheilung meiner eigenen Versuche behandeln. 
Die nachstehenden Erörterungen betreffen hauptsächlich die grund¬ 
legenden, schönen Arbeiten von W. Rimpau,1) sowie deren Er¬ 
gänzung durch Liebscher2) und die Mittheilungen, welche mir 
gelegentlich einer skandinavischen Studienreise von dem Director 
der mustergiltigen Anstalt des schwedischen Saatzuchtvereines in 
Svalöf, Herrn Dr. N. Hjalmar Nilsson und seinen Assistenten 
in der entgegenkommensten und dankenswerthesten Weise ge¬ 
macht wurden. Durch die Gewährung eines Stipendiums zu dieser 
Reise hat mich das k. k. Unterrichtsministerium zu ganz beson¬ 
derem Danke verpflichtet. 
, i) Kreuzungsproducte landwirtschaftlicher Culturpflanzen. Landwirth- 
schaftliche Jahrbücher 1891. 
2) Jenaische Zeitschrift für Naturwissenschaften, Bd. XXIIf, 1889, S. 215.
        

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