Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Züchtung neuer Getreiderassen mittelst künstlicher Kreuzung. Kritisch historische Betrachtungen
Person:
Tschermak, Erich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit21305/31/
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male geradezu ihre Werthigkeit wechseln, also das sonst 
recessive, sofort constante nunmehr zum dominanten und nur 
theilweise constanten wird. In den vorstehenden Beobachtungen 
sind allerdings solche Fälle ziemlich selten. Doch ist für die 
sonst recessive oder wenigstens minderwerthige weisse Spelzen¬ 
farbe beim Weizen in 2 Fällen Dominanz gegenüber der rothen 
Spelzenfarbe (Fall VIII und X), ebenso in einem Fall gegenüber 
der braunen, ferner in dem einen Falle Dominanz der rothen, 
gegenüber der blauen, in dem anderen das umgekehrte Ver¬ 
halten angegeben, ebenso Dominanz für die sonst recessive Kurz¬ 
form der Aehre beim Weizen im Falle X; die sonst dominirende 
Behaarung soll beim Weizen im Falle III geradezu dauernd ver¬ 
schwunden sein. Bei der Gerste wurde die sonst recessive Spel¬ 
zenform des Erectum-Typus im Falle XXIV ausnahmsweise als 
dominant befunden. Eine Abhängigkeit der Werthigkeit von der 
Sortencombination zeigt sich auch darin, dass ein Merkmal in 
der 1. Generation bei dem einen Fall dominirt, bei dem anderen 
bloss prävalirt, bei dem dritten eine Mischung mit dem con- 
currirenden Merkmale bis zur Gleichmässigkeit eingehen kann. 
Nach dem Gesagten erscheint mir eine derartige 
aphoristische Verquickung der Werthigkeitsfrage unddes 
Descendenzproblemes weder aussichtsreich noch em¬ 
pfehlen s werth. Es müsste zunächst die principielle Zulässigkeit 
einer Schlussfolgerung von der Werthigkeit auf die genetische 
Entwickelung durch specielle Beobachtungen dargethan werden, 
also das Verhalten documentirt älterer Rassen zu zweifel¬ 
los jüngeren untersucht werden, um einen eventuellen Einfluss 
des Rassenalters auf die Werthigkeit der Merkmale — ähnlich 
wie ich dies in gewissen Fällen für das Geschlecht des so¬ 
genannten Ueberträgers und die Rassencombination nachge¬ 
wiesen habe1) — exact festzustellen. Bei einer solchen, sehr 
wünschenswerthen Untersuchung2) wäre natürlich die Art und 
Weise der Herkunft der betreffenden Formen, ob durch Variation 
und Selection gewonnen oder durch Mutation entstanden, sehr 
wohl zu beachten. Auch sei daran erinnert, dass Liebscher 
1) Weitere Beiträge über Verschiedenwerthigkeit der Merkmale. . . . 
Zeitschr. f. d. österr. landvv. Versuchswesen, S. 85 ff. 
2) Eingehende Mittheilungen über einschlägige Versuche haben wir wohl 
im II. Bande der elastischen Mutationstheorie von de Vries zu erwarten.
        

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