Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Züchtung neuer Getreiderassen mittelst künstlicher Kreuzung. Kritisch historische Betrachtungen
Person:
Tschermak, Erich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit21305/3/
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kann unlösbare Verbindung oder Verkoppelung von Merkmalen 
Vorkommen: im extremen Falle würde der Mischling dann ganz 
dem Vater oder der Mutter gleichen. Endlich kann die einmal 
erzeugte Combination sofort völlig constant bleiben oder aber 
in den folgenden Generationen auch andere Combinationen (theil- 
weise constant) hervorbringen, also eine sogenannte Spaltung 
erleiden. Diese kann wiederum eine reine (d. h. in einfachmerk¬ 
malige Individuen) sein oder eine (theilweise) unreine, d. h. in 
doppelmerkmalige neben einfachmerkmaligen (entweder durch¬ 
wegs constanten oder theilweise sich weiter spaltenden). Es ist 
keineswegs principiell nothwendig, dass sich in einem bestimmten 
Kreuzungsfalle alle Merkmale nach einem und demselben 
Schema von den angedeuteten 32, beziehungsweise 64 verhalten. 
Von diesen Schematen sei hier nur das einfachste, das klassische 
Schema Mendel’s, welches dieser für die von ihm studirten 
Merkmale gewisser Erbsen- und Bohnenrassen zutreffend fand, 
kurz erläutert. Nach demselben kommen die einzelnen Merkmale 
an allen Individuen der ersten Generation und an allen Theilen 
jedes einzelnen Individuums gleichmässig zur Ausbildung. Ferner 
weisen die erzeugten Hybriden nur je eines von den beiden con- 
currirenden Merkmalen der Eltern rein und unvermischt auf; 
dasselbe wird das „dominante” genannt, das andere „recessive” 
tritt erst wieder zu Tage in der zweiten Generation, welche 
durch Selbstbestäubung oder Kreuzung unter den Mischlingen 
gleicher Elternformen erzeugt ward. Es findet also in der zweiten 
Generation eine Spaltung statt, indem sich das dominante Merk¬ 
mal an dreimal so viel Individuen ausprägt, wie das recessive. 
Da die einzelnen Merkmale sich im Allgemeinen selbständig ver¬ 
halten, finden sich bei genügend grossem Material alle möglichen 
Combinationsfälle in bestimmten Zahlenverhältnissen vor. Für den 
Züchter gilt es aber, alle diese Combinationen zu erhalten und 
die wenigstens in einem bestimmten Merkmale constanten 
Formen, die sich unter gleichgestalteten aber inconstanten 
verbergen können, zu ermitteln: dazu bedarf es jedoch eines 
sehr sorgfältigen Anbaues im Grossen, eventuell des Schützens 
vor Fremdkreuzung auch in den späteren Generationen und 
des Erntens nach einzelnen Individuen, was später noch 
eingehend erörtert werden soll. Es ist ferner für die rationelle 
Züchtung von ganz besonderer Bedeutung, dassdiedemMendel’- 
schen Schema folgenden „recessiven” Merkmale, einmal 
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