Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Züchtung neuer Getreiderassen mittelst künstlicher Kreuzung. Kritisch historische Betrachtungen
Person:
Tschermak, Erich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit21305/2/
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schiedenen Rassen und Arten von Getreide, unternommen. In diesen 
Mittheilungen will ich mich auf eine kritische Besprechung und 
Zusammenfassung der bisherigen Kreuzungsversuche an Getreide 
beschränken: dabei werden sich weniger allgemein gütige Daten 
als zahlreiche Hinweise auf zu erwartende Resultate und werth¬ 
volle Anregungen zu systematischer Nachprüfung mittelst eigener 
Versuche ergeben. Solche habe ich bereits in Angriff genommen 
und werde darüber in später folgenden Mittheilungen berichten. 
Einleitend sei noch bemerkt, dass die Mendel’sche Lehre1) 
eine Zergliederung des sogenannten Gesammthabitus in einzelne 
Merkmale voraussetzt. Mendel hat eine solche Merkmalsanalyse 
vorgenommen und dieselbe wohl als erster experimentell ver- 
werthet und begründet, ja sogar an eine Zurückführung jener 
Elemente auf gesonderte Zellorgane oder Plasmatheile gedacht. 
Jedes Merkmal muss, soferne es sich selbständig verhält und 
nicht mit anderen „verkoppelt” erscheint, einzeln verfolgt und 
sozusagen gezüchtet werden, um schliesslich eine constante Com¬ 
bination der gewünschten Merkmale zu erhalten. Natürlich wird 
man sich hierbei auf die praktisch wichtigsten Merkmale be¬ 
schränken und lieber eine Inconstanz in bedeutungslosen Merk¬ 
malen in Kauf nehmen, da jedes weitere in den Züchtungsplan 
einbezogene Merkmal die Beachtung und den Anbau einer immer 
grösseren Anzahl von Combinationsformen erfordert, um endlich 
die gewünschte constant bleibende herauszufinden. 
Es ist principiell für jedes einzelne Merkmal ein sehr ver¬ 
schiedenes Verhalten möglich. Die unmittelbar erzeugten Misch¬ 
linge, also die erste Generation, könnten nämlich in Bezug auf 
die einzelnen Merkmale gleichförmig oder verschieden gestaltet 
sein.2) Neben gleichmässiger Ausbildung der Theile jedes einzelnen 
Individuums könnte eine ungleichmässige oder Mosaikbildung 
Vorkommen. Von den paarweise gewissermaassen in Concurrenz 
tretenden Eigenschaften der Eltern können an den Mischlingen 
beide zugleich zur Ausbildung kommen (Merkmalmischung) oder 
nur das eine oder das andere allein für sich rein in Erscheinung 
treten. Neben selbständigem, isolirtem Auftreten von Merkmalen 
1) Die beiden classischen Abhandlungen Mendel’s sind von mir in 
Ostwald’s Klassiker der exacten Wissenschaften, 121. Bdch., neu herausgegeben 
worden. 
2) Auf die Deutung des letzteren Verhaltens werde ich an einem anderen 
Orte eingehen.
        

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