Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kreuzungsuntersuchungen an Hafer und Weizen II
Person:
Nilsson-Ehle, Nils Herman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit21188/15/
Kreuzungsuntersuchungen 
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sich bei der erblichen Variation viele andersartige Fälle unterscheiden, durch welche 
diskontinuierliche und kontinuierliche Variation, single variations und kleine individuelle 
Variationen, verbunden werden, und welche dieselben als nur Graddiffereuzen derselben 
Sache erscheinen lassen1. Zuletzt können natürlich, wenn man so will, alle Gradationen 
diskontinuierlich genannt werden. Die Benennung kontinuierlich sagt selbstver¬ 
ständlich nur aus, dass die Abstufungen so fliessend in einander übergehen, dass 
eine sichere Unterscheidung derselben, mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln, 
nicht gemacht werden kann. 
Ein wichtiger Unterschied zwischen den bei Individuen desselben Beetes auf¬ 
tretenden Modifikationsfluktuationen und den erblichen Variationen besteht also darin, 
dass diese Modifikationsfluktuationen stets kontinuierlich sind und dabei die gewöhnliche 
oder unter Umständen etwas abgeänderte normale Zufallskurve zeigen, während die 
erblichen Variationen unter Umständen kontinuierlich sein können aber nicht zu sein 
brauchen, und dass sie sowohl bei kontinuierlichem als diskontinuierlichem Charakter 
der Variation eine mehr oder weniger unregelmässige Verteilung zeigen können. 
Einerseits ist es ja leicht verständlich, dass durch Auswahl oder Isolation aus einer 
kontinuierlichen Reihe, wenn diese in Übereinstimmung mit der mendelistischen 
Auffassung durch Kombination zustandekommt, diskontinuierliche Differenzen ent¬ 
stehen können, während durch Kreuzung solcher diskontinuierlich getrennten Typen 
die kontinuierliche Reihe wieder hergestellt werden kann. Andererseits gibt es ja, 
wenigstens scheinbar, stärker und schwächer diskontinuierlich wirkende Faktoren, 
wie es die mendelistische Analyse genügend gezeigt hat, und durch verschiedene 
Kombinationen ganz ungleich wirkender Faktoren ist selbstverständlich nicht eine 
regelmässige Verteilung der Varianten zu erwarten. Aus allen diesen Gründen ist 
es erklärlich, dass bei Untersuchung von Populationen, vor allem wo die Homo¬ 
zygoten infolge allgemein vorkommender Selbstbestäubung überwiegen, die erbliche 
Variation, sogar bei kontinuierlichem Charakter, eine andere, mehr unregelmässige 
Verteilung als die kontinuierliche Modifikation zeigen kann. 
Bei Mischung von Modifikationen und erblichen Variationen hat Johannsen 
(1903) eine gewöhnliche normale Kurve finden können, was zeigt, dass man nicht 
aus einem solchen Verhalten auf eine Einheitlichkeit in der Art von Variation 
scbliessen darf. Ist die Kurve der erblichen Variationen von derselben oder annä¬ 
hernd derselben Art wie die Modifikationskurve, so liegt nichts befremdendes darin, 
1 Unter solchen Umständen finde ich es aus theoretischem Gesichtspunkte wenig zweckmässig, 
eine Einteilung der Variation in grosse und kleine Variation durchzuführen, da sowohl scharfe Grenzen 
als prinzipieller Gegensatz zwischen grosser und kleiner Variabilität fehlen, was ja eben schon direkt 
mit der Natur der Variation als Kombi nations variation zusammenhängt. Von der Frage der Konti¬ 
nuität oder Diskontinuität der Kombinationsvariation wird man eher zu der Frage übergehen 
müssen, wie die der Variation zugrunde liegenden Erbeinheiten sich in bezug auf Kontinuität 
oder Diskontinuität in ihrer Wirkung verhalten. Jedoch bin ich natürlich ganz derselben Ansicht 
wie Fkuwirth (1911), insofern es sich darum handelt, durch Unterscheidung grosser und kleiner 
Variation die Aufmerksamkeit der praktischen Züchter nicht nur auf die grossen,' auffallenden 
Differenzen, sondern auch auf die kleineren zu richten, besonders in einer Zeit, wo die kleineren 
Differenzen als nichtswertig erklärt worden sind.
        

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