Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mechanisch-physiologische Theorie der Abstammungslehre
Person:
Naegeli, Carl Wilhelm von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19841/444/
432 VIII. Dor Generationswechsel in ontopenet. und phylopenet. Beziehung. 
und ruhende kugelige Zygosporen darstellen. Beim Wiederbeginn 
der Vegetation erzeugt jede Spore einige wenige grosse Schwftrmzellen, 
welche nach kurzer Zeit zur Ruhe gelangen und eine polyedrische 
Gestalt annehmen (A); aus ihnen entstehen die noch rudimentären 
Netze der ersten Wiederholungsgeneration (2A). 
Bei den der Gattung Pandorina nahe stehenden Gattungen Eu- 
dorina und Volvox zeigt der Generationswechsel eine bemerkens- 
werthe Verschiedenheit zwischen der männlichen und der weiblichen 
Gesehlechtssphäre. In der letzteren wird nämlich eine Generation 
unterdrückt, indem die Zellen, welche sonst die geschlechtserzeugende 
Generation (C) darstellen, ungetheilt bleiben und zu weiblichen 
Geschlechtszellen (Eizellen) werden. In der männlichen Geschlechts¬ 
sphäre dagegen erzeugt jede Zolle der Generation C durch wieder¬ 
holte Theilung eine Mehrzahl von männlichen einzelligen Individuen 
(Spermatozoiden). Diese Verschiedenheit stimmt mit der bekannten 
Erscheinung der mehrzelligen Pflanzen überein, dass in der männ¬ 
lichen Geschlechtssphäre eine grössere Zahl von Zellgenerationen 
durchlaufen wird als in der weiblichen; nur gibt sie sich hier bei 
den einzelligen Pflanzen als eine Verschiedenheit in dem Wechsel 
der Individuen kund. — Aus dem Verhalten von Eudorina und 
A olvox ergibt sich übrigens auch für den Generationswechsel der 
einzelligen Pflanzen die Nothwendigkeit, die gesehlechtserzeugende 
Generation C von den Wiederholungsgenerationen (IÎ, . .. ]im) zu 
trennen. 
Gehen wir von den einzelligen zu den vielzelligen Geschlechts¬ 
pflanzen ül)er, so finden wir in der Algengattung Ulothrix ein höchst 
einfaches Vergleichsobject. Die Wiederholungsgonerationen, die im 
Herbst und Winter leben, sind unverzweigte einfache Zellreihen 
(gegliederte Wasserfäden). Dieselben pflanzen sich durch 4wimprige, 
nackte Schwftrmsporen, welche meistens zu 4 in den Gliedern des 
Fadens entstehen, fort. Die geschlechtserzeugende Generation (C) 
gleicht vollkommen den Wiederholungsgenerationen, aber sie bildet 
in ihren Zellen zahlreichere kleine Schwärmzellen, welche geschlecht¬ 
lich differenzirt sind und sich je 2 oder auch je 3 zu einer Zygospore 
vereinigen (D). Letztere dauert den Sommer über aus und erzeugt 
im Herbst mehrere Schwännsporen, welche den Anfang der geschlechts-
        

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