Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mechanisch-physiologische Theorie der Abstammungslehre
Person:
Naegeli, Carl Wilhelm von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19841/230/
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IV. Anlagen and sichtbare 
wird kleiner und rum Spermatoroid, das sich bei der Befrachtung 
mit dem Inhalt der Eifelle vereinigt Das letztere aber kann nicht 
mehr als alles Ernihrungsplasma verlieren, so dass es fast bloss 
aus Idioplasma besteht; ein weiterer Uebergang vom Spermatoroid 
zum gelosten Befruchtungsstoff ist eine physiologische und somit 
auch eine phylogenetische Unmöglichkeit 
Man wird mir vielleicht entgegenhalten, dass in einzelnen Fallen 
der Uebergang des Befruchtungsstoffes auf dem Wege der Diosmose 
als Erfahrung zu betrachten sei, indem man in den Membranen 
nicht die kleinsten Oeffnungen zu entdecken vermöge. Damit waren 
wir denn auf dem Gebiete der »negativen Beweise« angelangt mittels 
deren die neueren Forschungen der Morphologen im Widersprache 
mit der klaren Forderung einer logischen und exacten Methode so 
manche unhaltbare Meinung in die Wissenschaft einführen wollen. 
Der negative Beweis kann nichts Positives darthun; er sagt uns 
weiter nicht», als dass auf diesem Wege der Forschung die Grenze 
des Könnens erreicht sei. Für den vorliegenden Fall bleiben immer 
noch verschiedene Möglichkeiten offen, entweder dass der Beobachter 
den rechten Moment versäumt hat oder dass das Oeffnen der Mem¬ 
bran und das Uebertreten der festen Substanz in einer noch nicht 
erkannten Weise erfolgt oder dass die Oeffnungen in der Membran 
zu klein sind, um direct gesehen zu weiden u. s. w. 
Wir sind also zu der Annahme genOthigt dass bei der ge¬ 
schlechtlichen Befrachtung in jedem Falle das männliche Idioplasma 
m die weibliche Zelle eindringe, und wir können die Schwierig¬ 
keiten der Frage, wie sich zwei idioplasmahsche Systeme von ziem¬ 
lich fester Consistenz in ein einziges vereinigen, nicht umgehen. 
Denn die allfällige Vennuthung, dass im Inneren der weiblichen 
Zelle das männliche Idioplasma sich auflOse und in das weibliche 
hineindiffundire, wäre nicht besser als die bereits widerlegte Ver¬ 
mutung, dass die Diffusion von Zelle zu Zelle geschehen könne. 
Auch dürfen wir nicht etwa auf die abenteuerliche Idee ver¬ 
fallen, dass die beiden Systeme -in die einzelnen Micelle zerfrdlen, 
welche nach gegenseitiger Vermengung sich wieder zu einem ge¬ 
meinsamen System zusammenfügen. Die Zahl der Micelle der beiden 
Idioplasmen kann hundert Millionen weit übersteigen. Aber wenn 
es auch viel weniger wären, so mangeln doch die organisirenden 
Kräfte, die sie in der richtigen Weise vereinigen würden, _ und
        

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