Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mechanisch-physiologische Theorie der Abstammungslehre
Person:
Naegeli, Carl Wilhelm von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19841/158/
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m Ursachen dar Verftnderoiw. 
Der Reiz hat bei verschiedenen Pflanzen und verschiedenen 
Organen einen sehr ungleichen Grad der Verkorkung verursacht 
Pflanzen, die für eine leuchte Atmosphäre bestimmt sind, Organe, 
die nur eine kurze Lebensdauer erreichen, haben eine dünne Kork¬ 
bedeckung, während PflanzentUeile von längerer Dauer und in sehr 
trockener Luft auch sehr gut geschützt werden. 
Die Landpflanzen haben ausser dem weichen Zellgewebe, welches 
die Ernährung und auch die Leitung der Stolle besorgt, dickwandige 
durch Verholzung festgewordene Zellen, die das Holz und den Bast 
zusammensetzen. Diese verholzten Gewebe verrichten mechanische 
Functionen und sind deshalb auch mechanische genannt worden1). 
Sie tragen und stützen die weichen Gewebe, sie bewahren die Organe 
vor dem Zerbrechen und Zerreissen. Den Wasserpflanzen, welche 
weder ihr eigenes Gewicht zu tragen, noch der Gewalt der Winde 
zu widerstehen haben, mangeln die mechanischen Zellen hist gänz¬ 
lich. Dieselben bildeten sich erst und zwar vorzugsweise aus den 
dünnwandigen, langen und engen Zellen der Gefessstränge, als die 
ursprünglichen Wasserbewohner zu Landbewohnern wurden. 
Da die mechanischen Gewebe genau so angeordnet sind, wie 
es für freistehende oberirdische Organe die Druck- und Biegungs¬ 
festigkeit, für die unterirdischen und für einige oberirdische Organe 
die Zugfestigkeit verlangt, da also ihre Lage den mechanischen 
Anforderungen entspricht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie 
durch die Spannungen, welche Druck und Zug bewirkten, entstanden 
sind. Denn diese Spannungen waren gerade da am stärksten, wo 
sich jetzt die mechanischen Zellen befinden. Ferner mussten die 
Spannungen vorzugsweise in den langgestreckten Zellen der Fibro- 
vasalmassen (Gefessstränge) sich geltend machen, weil die kurzen 
und weiten Parenchymzellen mit ihren grösseren Zwischenzellräumen 
leichter durch Gestaltsänderung der mechanischen Gewalt nachgeben 
können. Es ist also wohl denkbar, dass die wichtige Einrichtung 
der mechanischen Gewebe im Pflanzenreiche unter dem Einfluss 
des von äusseren Kräften bewirkten Reizes zur Ausbildung gelangte. 
Während die meisten Pflanzen durch den aufgerichteten festen 
Stengel in den Genuss von Licht, Luft und Thau gelangen, klettern 
andere mH schwachen Stengeln versehene an den ersteren empor, 
') Schwendener, Dm mechanische Princip im timtom^Kpn Bau der 
Monocotylen.
        

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