Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mechanisch-physiologische Theorie der Abstammungslehre
Person:
Naegeli, Carl Wilhelm von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19841/133/
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III. Ursachen der Veränderung. 
wenn auch die beiden Anordnungen sich äusserlich gleichen, so 
können sie doch einen verschiedenen Charakter haben, und’wir 
dürfen die spätere nicht ohne weiteres als aus der ersteren folgend 
betrachten. 
Für die Beurtheilung des Vorganges, wie das primordiale Idio- 
plasma des probialen Reiches sich in dasjenige der Pflanzen und 
Thiere umwandelt, stehen uns keine entscheidenden Analogien zu 
Gebote. Alle organisirten Substanzen, deren Entwicklungsgeschichte 
wir beobachten können, gehören den Ontogenien an und gehen mit 
den Individuen zu Grunde. Sie sind immer Neubildungen und von 
verhältnissmässig sehr kurzer Dauer. Das Idioplasma ist der einzige 
Körper, der durch alle Ontogenien sich fortsetzt und eine unbegrenzte 
Dauer hat; denn das Idioplasma des letzten und höchst entwickelten 
Organismus ist das stetig fortgewachsene Idioplasma des ersten 
probialen Wesens. Kein organischer Elementarkörper gibt uns also 
in seinem Verhalten ein Vorbild dafür, wie die phylogenetische 
Ausbildung des Idioplasmas erfolgen muss; er kann uns aber eben¬ 
sowenig irgend eine Annahme verbieten. Die Lösung dieser Frage 
wird immer nur auf theoretischem Wege möglich sein. Bei der 
noch so mangelhaften Kenntmss der Molecularkrftfte lassen sich 
vorerst nur einige allgemeine Gesichtspunkte feststellen. 
Die übereinstimmende Orientirung der Idioplasmomicelle und 
mit ihr die Dichtigkeit des Idioplasmas nimmt, wie sie begonnen 
hat, nach und nach zu bis zu einem Maximum. In gleichem Maasse 
vermindert sich das Wachsthum durch Einlagerung. Es ist nämlich 
eine aus der Natur der Micellarstructur nothwendig sich ergebende 
Folge, dass unter übrigens gleichen Umständen neue Micelle um so 
schwieriger zwischen den schon vorhandenen sich bilden, je gedrängter 
diese beisammen liegen. Daher muss das Ernährungsplasma von 
Anfang an stärker wachsen als das dichtere und geordnetere Idio¬ 
plasma, und die Ungleichheit im Wachsthum muss mit der Ausbildung 
des letzteren sich steigern. Durch das stärkere Wachsthum des 
Emährungsplasmas wird aber Druck und Zug auf du« netzförmige 
Idioplasma ausgeübt. Diese mechanische Action muss dazu bei- 
trügen, dass die Balken des Netzes stärker in die Länge wachsen 
als in die Dicke, und dass, wenn das Maximum der Dichtigkeit 
erreicht ist, die Micelleinlagerung fast ausschliesslich für das Längen¬ 
wachsthum derselben verwendet wird.
        

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