Bauhaus-Universität Weimar

Neue Beobachtungen über Vorgänge beim Färben animalischer 
Fasern. 
Von 
W. Suida. 
(Der Redaktion zugegangen am :W. April 191:1.) 
Vor einiger Zeit1) berichtete ich über einige Beobach¬ 
tungen betreffend die Änderung der chemischen Eigenschaften 
von Farbstoffen nach ihrem Auffärben auf die animalische 
Faser und gedachte bei dieser Gelegenheit auch der Ansicht 
von A. Binz und G. Schröter,2) daß der Prozeß der durch 
die desmotrope Chinonform veranlaßten echten Färbung viel¬ 
leicht als eine Kernkondensation zwischen Faser und Farbstoff 
aufzufassen sei, wozu dann als weiterer Faktor noch Salz¬ 
bildung treten kann. Das Bestehen dieses letzteren Faktors ist 
mit Rücksicht auf die vielfach nachgewiesene Bindung von 
Säuren und sauren Farbstoffen wenigstens bei Wolle nicht 
von der Hand zu weisen und wird hier bezüglich der Befestigung 
der sauren Farbstoffe vielleicht die Hauptrolle spielen. 
Anders liegt es jedoch mit der Annahme einer Kern¬ 
kondensation der chinoiden Farbstoffe mit der Faser, sowie 
mit der Bindung von nur mit Phenolhydroxyl oder Amino¬ 
gruppen versehenen Farbstoffen oder Substanzen. 
Seit dem Jahre 1908 haben mich Fragen, welche die 
zuletzt angedeuteten Verhältnisse betreffen, beschäftigt. Zahl¬ 
reiche Versuche, welche zur Lösung dieser Fragen in der mir 
leider geringen verfügbaren Zeit durchgefürt wurden, haben 
nun Resultate gezeitigt, über die in den folgenden Zeilen be¬ 
richtet werden soll. 
I. Der Verlauf der Hydrolyse der Schafwolle beim Behandeln mit 
Wasser und mit verdünnten Säuren. 
Aus meinen früheren Mitteilungen geht hervor, daß die 
Schafwolle bei den Operationen des Färbens aus einem an¬ 
hydridartigen Zustand durch Hydrolyse (Aufspaltung; in einen 
li Lohnes Färberzeitung. 1912. 
•) Ber., 1902. S 4225.
        

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