Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Verhalten der Aminosäuren und Polypeptide gegen Neutralsalze. I. Mitteilung
Person:
Pfeiffer, P. J. von Modelski
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19611/12/
340 P. Pfeiffer und J. v. Modelski, 
Bekanntlich werden aus wässerigen, calciumsalzhaltigen 
Lösungen der Eiweißkörper auf Zusatz von Alkohol die Cal¬ 
ciumsalze in ganz erheblichem Betrage «mitgefällt». Auch 
nach mehrmaligem Umfällen aus wässeriger Lösung mit Alkohol 
bleiben die Eiweißniederschläge noch stark calciumsalzhaltig. 
Während nun Kossel1) für die Ansicht eingetreten ist, daß 
bei diesen Reaktionen chemische Verbindungen zwischen Eiwei߬ 
körper und Salz entstehen, glaubt Simon*) in einer vor 
wenigen Jahren erschienenen Arbeit die Bildung sogenannter 
kolloidaler Adsorptionen annehmen zu müssen. 
Nach obigem zeigen aber nicht nur Eiweißkörper, sondern 
auch einfache Aminosäuren die Eigenschaft, bei Alkoholfällungen 
Salze «mitzureißen». Da nun hier nachweislich echte chemische 
Verbindungen zwischen Aminosäure und Salz zur Ausschei¬ 
dung kommen, so werden wohl auch die Eiweißsalzfällungen, 
entsprechend der Kosselschen Ansicht, zu den chemischen 
Verbindungen zu rechnen sein, 
Unentschieden ist immer noch die Frage, ob in der Knochen¬ 
substanz eine Verbindung von Calciumsalz3) und Eiweißkörper 
(Kollagen) oder aber pur ein Gemenge dieser beiden Kom¬ 
ponenten vorliegt. Da wir jetzt wissen, daß sich Calcium¬ 
salze sehr leicht mit Aminosäuren (Glykokoll ; Alanin) und 
Polypeptiden (Glycylglycin und Diglycylglycin) zu gut charak¬ 
terisierten chemischen Verbindungen vereinigen, so gewinnt 
die erstere der beiden Ansichten sehr an Wahrscheinlichkeit. 
Es bietet sich nunmehr die Möglichkeit auf synthetischem 
Wege Körper herzustellen, die man als chemische Modelle 
der Knochensubstanz bezeichnen könnte. 
Nach den Erörterungen dés vorigen Abschnitts muß an¬ 
genommen werden, daß in einer wässerigen Lösung, die 
Neutralsalze und Aminosäuren enthält, die Komponenten zum 
Teil zu Amphisalzen und deren Komplexionen miteinander ver¬ 
einigt sind. Wir dürfen daher wohl den Schluß ziehen, daß 
() Diese Zeitschrift, Bd. 3, S. 58. 
*) Diese Zeitschrift, Bd. 66, S. 70 (1910). 
3) Über den anorganischen Bestandteil der Knochen siehe T h. G a s s - 
mann, Diese Zeitschrift, Bd. 70, S. 161 (1910).
        

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