Bauhaus-Universität Weimar

Über die Bindung von Thymol in roten Blutzellen. 
Ton 
Ryuta Usai (aus Japan). 
(Aus der medizinischen Klinik in Heidelberg.) 
(Der Redaktion zugegangen am 5. September 1912.) 
Die indifferenten oxydationshemmenden Stoffe häufen sich 
zum Teil sehr erheblich in lebenden Zellen an;1) je kleiner 
die wirksame Konzentration in der umspülenden Flüssigkeit, 
um so stärker war die relative Anreicherung in der Zelle. Die 
Vermutung lag nahe, daß die Konzentrationen der Stoffe 
dort, wo sie wirken, andere als in der umspülenden 
Flüssigkeit sind. 
Nun wurde für die Blutzellen festgestellt,2) daß die Oxyda¬ 
tionsprozesse nicht in dem flüssigen Zellinhalt, sondern in oder 
an den unlöslichen Zellbestandteilen, den Stromata, vor sich 
gehen, und so war die nächste Frage, ob sich ein Bindungs¬ 
vermögen dieser für die Atmung wichtigen Zellbe¬ 
standteile feststellen ließ. 
Ich habe, auf Anregung und unter Leitung von Herrn 
Dr. Warburg, die Frage für den Spezialfall des Thymols 
studiert und konnte in der Tat nachweisen, daß die 
Stromata Thymol binden; und zwar binden sie mehr 
Thymol als die löslichen Zellbestandteile, wenn man 
das Bindungsvermögen auf gleiche N-Mengen bezieht. 
Sie enthalten etwa die Hälfte des aufgenommenen 
Thymols, während ihr N-Gehalt nur etwa Vs des Ge- 
samt-N-Gehaltes der Zelle beträgt. Dieses Bindungs¬ 
vermögen ändert sich nicht merklich, wenn die Stro¬ 
mata durch Kochen mit Alkohol und Äther von ihren 
Lipoidstoffen befreit werden. 
*) 0. Warburg u. Wiesel, Pflügers Archiv, Bd. 144, S. 466. 
*) 0. Warburg, Diese Zeitschrift, Bd. 70, S. 413. 
s) Anders ausgedrückt : Das Bindungsvermögen der Stromata für 
Thymol ist 7 mal so stark als das der übrigen Zellbestandteile, bezogen 
auf gleiche N-Mengen.
        

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