Bauhaus-Universität Weimar

Ober die Xanthoproteinreaktion. 
Von 
K. Inouye. 
(Aus dem physiologischen Institut der Universität Heidelberg.) 
(Der Redaktion zugegangen am 24. August 1912.) 
Das Auftreten der Farbenreaktionen von Eiweißstoffen 
beruht bekanntlich in den meisten Fällen auf der Bildung 
gefärbter Verbindungen von bestimmten Bausteinen mit 
den hinzugesetzten Reagenzien. Man kann deshalb durch das 
Ergebnis einer Farbenreaktion auf die An- oder Abwesenheit 
eines der Bausteine sowie einer reaktionsfähigen Atomgruppe 
hinweisen. Die Untersuchungen über die dabei stattfindenden 
Vorgänge und die gebildeten Farbstoffe sind demgemäß von 
Bedeutung für die Beurteilung der Konstitution des Eiwei߬ 
moleküls. 
Unter den Farbenreaktionen ist die Xanthoproteinprobe 
schon lange allgemein bekannt, trotzdem ihre Natur noch un¬ 
aufgeklärt bleibt In der Tat handelt es sich bei dieser Re¬ 
aktion um einen komplizierten Prozeß, welcher aus verschie¬ 
denen Einzelreaktionen zusammengesetzt ist. 
Bei der Einwirkung von Salpetersäure auf Eiweißkörper 
findet unter anderem eine Nitrierung unter Bildung von ge¬ 
färbten und nicht gefärbten Derivaten statt. Betrachtet man 
diesen Vorgang von den Gesichtspunkten der Farbstoffbildung 
aus, so kommt das kürzlich von A. Kossel und E. L. Kennaway 
beschriebene Nitroarginin1) nicht in Betracht, da dieses farblos 
ist, ebensowenig diejenigen Körper, die erst durch energische 
Einwirkung der Säure entstehen, wie die p-Nitrobenzoesäure 
*) Diese Zeitschrift, Bd. 72 (1911), S. 486.
        

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