Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Frage des sulfitartigen gebundenen Schwefels in der Wolle
Person:
Strunk, H. H. Prieß
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19403/1/
Zur Frage des sulfitartig gebundenen Schwefels in der Wolle. 
Von 
Korpsstabsapotheker Dr. H. Strunk 
und Einj.-freiw. Militärapotheker Dr. H. Prieß. 
(Aus dem Medizinischen Untersuchungsamt bei der Kaiser Wilhelms-Akademie in Berlin., 
(Der Redaktion zugegangen am 17. Oktober 1911.) 
Durch die Untersuchungen von K. A. H. Mörner1) über 
die Bindung des Schwefels in den Proteinstoffen ist der Nach¬ 
weis erbracht Worden, daß in dem Keratin der Haare sämt¬ 
licher Schwefel in der Form von Cystin enthalten ist. Auf 
Grund dieses Ergebnisses mußte die ältere Annahme, daß in 
den Eiweißkörpern zwei verschieden gebundene Schwefelatome 
enthalten seien, das eine in Form des Schwefelwasserstoffs, 
das andere in nicht abspaltbarer, vielleicht höher oxydierter 
Form,2) aufgegeben werden. 
Neuerdings hat nun N. P. Rai ko w3) in seinen Arbeiten 
«Über den Zustand des Schwefels in den Eiweißkörpern» und 
«Über die Existenz von an Sauerstoff gebundenem Schwefel 
in der Wolle» nachzuweisen versucht, daß beim Behandeln 
einer von ihm untersuchten Wolle mit sirupöser Phosphorsäure 
schon bei gewöhnlicher Temperatur Schwefeldioxyd frei wird. 
Den Ausführungen Raikows ist schon E. Grandmougin4) 
entgegengetreten, der bei seinen Nachprüfungen niemals die 
Abspaltung von schwefliger Säure beim Behandeln von Wolle 
mit sirupöser Phosphorsäure feststellen konnte. Anderseits sind 
die Angaben Raikows von 0. Baudisch5) in seiner Arbeit 
') Diese Zeitschrift, Bd. 28, S. 595 (1895), u. Bd. 34, S. 207 (1901). 
«Cystin, ein Spaltungsprodukt der Hornsubstanzen» und «Zur Kenntnis der 
Bindung des Schwefels in den Proteinstoffen». 
*) Ö. Cohnheim, Chemie der Eiweißkörper, III. Auf!., S. 81. 
'*) Chem. Ztg., 1905, S. 900, u. 1907, S. 539. 
4) Chem. Ztg., 1907, S. 174. 
•) Chem. Ztg., 1908, S. 620.
        

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