Bauhaus-Universität Weimar

Glykocholsäure und Paraglykocholsäure. 
Von 
E. Letsche. 
Mit einer Abbildung im Text, 
(Aus dem physiolog.-chein, Institut der Universität Tübingen.) 
(Oer Redaktion zugegangen am 23. Juni 1911.) 
Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle1) eine kleine 
Mitteilung über Glykocholsäure und Paraglykocholsäure gebracht. 
Als Resultat meiner damaligen Untersuchung hatte sich er¬ 
geben, daß die Paraglykocholsäure aus Glykocholsäure unter 
dem Einfluß erhöhter Temperatur entsteht und daß diese beiden 
Säuren als physikalische Isomère anzusehen sind. Neuerdings 
hat Knoop2) die Richtigkeit der Auffassung des Verhältnisses 
der beiden Säuren zu einander angezweifelt und mit dem Hin¬ 
weis darauf, daß die Glykocholsäure l1'* Mol. Krystallwasser 
enthält, was bisher übersehen worden war, die Frage aufge¬ 
worfen, ob die Parasäure vielleicht nicht einfach nur eine 
krystallwasserfreie Form der Glykocholsäure darstelle. 
Ich habe seinerzeit dem Wassergehalt der Glykochol¬ 
säure keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und für alle 
meine Versuche Material, das bis zur Gewichtskonstanz ge¬ 
trocknet worden war, verwendet. Die Glykocholsäure war bei 
gewöhnlicher Temperatur im Vakuum über konzentrierter H2S04, 
die Parasäure zum Teil ebenso, zum Teil bei 105° getrocknet 
worden; beide Säuren enthalten dann, wie meine Analysen 
zeigen,3) kein Krystallwasser mehr; die von mir festgestellten 
Unterschiede der beiden konnten also nicht auf Verschieden¬ 
heit im Krvstallwassergehalt zurückgeführt werden. Wenn ich 
trotzdem den Einwand von Knoop geprüft habe, so geschah 
dies vor allem mit Rücksicht auf die Frage, ob die Paraform 
nicht am Ende auch Krystallwasser enthalte. Ich habe dabei 
*) Diese Zeitschrift, Bd. 60. S. 402. 
*).Die Gallensäuren von Fr. Knoop. Biochem. Handlexikon 
herausgegeben von E. Abderhalden. Bd.. 3. S. 312. 1911. 
Diese Zeitschrift. Bd. 60, S. 467 und 472.
        

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