Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Anpassungsfähigkeit des tierischen Organismus an überreichliche Nahrungszufuhr. (Nach Versuchen am Hunde)
Person:
Grafe, E. D. Graham
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19263/4/
E. Grafe und D. Graham, 
Beobachtungen von Kinderärzten und Tierzüchtern, kaum in 
Einklang zu bringen. Die Differenzen in den Nahrungsmengen, 
die gewohnheitsgemäß von Leuten gleichen Gewichts, gleichen 
Berufs und ungefähr gleichen Temperaments ohne irgendwie 
neiinenswerteGewichtsschwanküngen eingenommen werden, sind 
so groß, daß der Gedanke an individuelle Eigentümlichkeiten des 
Protoplasmas sich schwer von der Hand weisen läßt. Es ist 
so schwer vorstellbar, daß der Appetit das einzige unfehlbare 
Stoffwechselregulativ sein soll, das es ermöglicht, jahrelang 
unter den allerverschiedensten Verhältnissen beim Erwachsenen 
so oft vollkommene Gewichtskonstanz zu wahren. Auch eine 
Anpassung der Besorptionsgröße im Darm an das Nahrungs¬ 
bedürfnis des Organismus ist recht unwahrscheinlich, wiewohl 
diese Auffassung sehr häufig vertreten wird.. Unerklärt bleibt 
auch nach der herrschenden Ansicht die schon jedem Laien 
geläufige Tatsache, daß die Menschen sich gegenüber einer 
ganz zweifellosen Überernährung ganz verschieden verhalten, 
daß im Anfang gewöhnlich die Gewichte rasch steigen, dann 
aber immer langsamer und langsamer, und daß schließlich in 
der Hegel ein Punkt erreicht wird, über den hinaus der Ge¬ 
wichtsansatz bei gleich starker Überernährung nicht mehr 
weiter zu treiben ist. Gewiß scheitern meist derartige, lange 
fortgesetzte Mastkuren an der eintretenden, unüberwindlichen 
Appetitunlust oder der Geduld der Kranken. Aber es gibt 
doch zahlreiche Fälle (wir verfügen auch über mehrere der¬ 
artige Beobachtungen), wo Appetit und Energie und Ausdauer 
der Kranken gut bleibt, und wo trotzdem das Gewicht kon¬ 
stant bleibt. Erinnert sei auch an zahlreiche hierhergehörige 
Beobachtungen der Kinderärzte und Tierzüchter. 
Allerdings muß zugegeben werden, daß es sich in den 
meisten Fällen um allgemeine Eindrücke handelt, und daß fast 
alle derartige Beobachtungen nicht den Ansprüchen von Exakt¬ 
heit genügen, die man von derartigen Untersuchungen metho¬ 
disch verlangen muß. 
Wie es scheint, gibt es in der ganzen vorliegenden 
Literatur über diese Frage nur eine Arbeit, die methodisch in 
jeder Beziehung vor dem Forum scharfer Kritik standhalten
        

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