Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Anpassungsfähigkeit des tierischen Organismus an überreichliche Nahrungszufuhr. (Nach Versuchen am Hunde)
Person:
Grafe, E. D. Graham
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19263/3/
Über die Anpassungsfähigkeit des tierischen Organismus 3 
Grude wahrscheinlich, daß in den ersten Tagen reichlicher 
Fütterung nach voraufgegangener Anpassung an länger dauern¬ 
den Hunger oder stärkere Unterernährung die Verbrennungen 
in einem stärkeren Maße steigen, als dein Körpergewicht oder 
der Vermehrung des Protoplasmas entspricht. 
Somit scheint schon eine gewisse Anpassung des Körpers 
auch an reichliche Nahrungszufuhr bewiesen. Allerdings han¬ 
delte es sich in den vorliegenden Untersuchungen nur um vorüber¬ 
gehende, höchstens einige Tage dauernde Steigerungen des Grund¬ 
umsatzes,1) und es ist aus den Angaben der Autoren nicht 
mit Sicherheit zu ersehen, ob nicht gleichzeitig mit dem Rück¬ 
gang der Kalorienproduktion die Überernährung geringer ge¬ 
worden ist. Man könnte geneigt sein, anzunehmen, daß mit 
der Anpassungsfähigkeit an zu geringè Nahrungszufuhr gleich¬ 
zeitig auch eine solche an abundante bewiesen sei. Jedoch 
Läßt sich dagegen mit Recht einwenden, daß, wenn ein Orga¬ 
nismus mit seinen Verbrennungen unter sein Normalniveau 
gehen kann, damit noch nicht gesagt ist, daß er es auch bei 
Überernährung überschreiten muß. 
Auf Grund zahlloser Beobachtungen an Tieren und 
Menschen ist man heute wohl fast allgemein der Ansicht, daß 
nach gewissen Abzügen für Verdauungsarbeit, spezifisch-dyna¬ 
mischer Wirkung, usw. jede den Bedarf des Organismus über¬ 
steigende Nahrungszufuhr zum Ansatz kommt, sofern nur diese 
nicht ganz vorwiegend aus Eiweiß besteht. Der Möglichkeit 
einer Anpassung an eine verhältnismäßig eiweißarme, sonst aber 
abundante Nahrungszufuhr oder einer Luxuskonsumption -) ver¬ 
halten sich fast alle Autoren äußerst skeptisch, meist, direkt 
ablehnend gegenüber. 
Mit diesen Anschauungen der Wissenschaft sind die zahl¬ 
reichen Erfahrungen des Lebens und am Krankenbett, die 
') Auch könnte man Bedenken gegen die Beweiskraft dieser wenigen 
kurz dauernden Zunlz-Geppert-Versuche geltend machen. 
*) Das Wort ist hier im erweiterten Sinne gebraucht. Der Begriff der 
Luxuskonsumption, wie ihn ursprünglich C. W. Lehmänn und Frcrichs 
aufstellten. bezog sich nur auf die Steigerung der Eiweißverbrennung 
Literatur darüber bei Voit in Hermanns Handbuch der Physiologie. 
Bd. VI, S. 269 u. folg.. 1881. ; . 
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