Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Geschmacksinns und des Geruchssinns
Person:
Vintschgau, Max von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19188/25/
Geschmacksnerven. 
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der Lingualis Geschmacksfasern führen. Elsässer (cit. S. 147) hat aus 
anatomischen und anatomisch-vergleichenden Gründen den N. glosso- 
pharyngeus als den Hauptgeschmacksnerv betrachtet, dem R. lingua¬ 
lis jedoch die Fähigkeit zu schmecken nicht abgesprochen. Wich¬ 
tiger sind aber die Angaben Alcock’s1 2. Dieser exstirpirte bei Hunden 
beide Ganglia spheno-palatina ohne dass jedoch der Geschmackssinn 
eine Veränderung erlitten hätte. Der Geschmack war aber vollstän¬ 
dig vernichtet, als Alcock gleichzeitig die rami palatini, die Lin¬ 
guales und die Glosso-pharyngei durchschnitt, so dass das Thier am 
4. Tage nach der Operation Nahrung, welche mit sehr viel Coloquin- 
then versetzt war, in so grosser Menge frass, dass dadurch vielleicht 
der Tod des Thieres eintrat. Alcock glaubte sich desshalb auf Grund¬ 
lage seiner verschiedenen Versuche berechtigt zu behaupten, dass die 
Perceptionsmittel des Geschmackes die N. glosso-pharyngei und die 
rami linguales und palatini des N. quintus sind, dass die N. glosso- 
pharyngei nicht die speciellen Medien des Geschmackes darstellen, 
und dass das Ggl. spkeno-palatinum und die Chorda tympani keinen 
Einfluss auf die Perception der Geschmacksempfindung haben. 
Diese Arbeit von Alcock hat in mehrfacher Beziehung eine 
grosse Bedeutung. Der genannte Physiologe ist der erste, welcher 
das Ganglion spheno-palatinum exstirpirte, ein Ganglion, welches, wie 
wir später sehen werden, eine grosse Rolle in der Frage der Ge¬ 
schmacksnerven spielt, er ist auch der erste', welcher die Gaumen¬ 
äste des zweiten Astes des Trigeminus durchschnitt, und auf Grund¬ 
lage von Versuchen denselben Geschmacksfasern zuschrieb, wie er 
auch schliesslich der Chorda tympani Geschmacksfasern absprach. 
Die Ansicht, dass neben dem Glosso-pharyngeus auch andere 
Nerven, und vorzugsweise der Trigeminus Geschmacksfasern führe, 
gewann immer mehr an Boden. 
Guyot (cit. S. 157) betrachtet, theils auf Grundlage seiner Beob¬ 
achtungen über die Stellen, welche für die Geschmacksperception 
bestimmt sind, theils in Folge anatomischer Untersuchungen, theils 
endlich auch auf seine Versuche mit Cazalis2 gestützt, den Lingualis 
als jenen Nerv, welcher die Tastempfindlichkeit und die Schmeck¬ 
fähigkeit der Zunge in ihren drei vorderen Viertheilen besorgt. — 
1 Alcock, Welche sind eigentlich die Geschmacksnerven V Da ich die Original¬ 
abhandlung nicht erhielt, so benützte ich Froriep’s neue Not. Nr. 18. S. 273. März 
1837 und Arch. f. Anat. u. Ph)rsiol. 1837, Jahresbericht über die Fortschritte der anat. 
phys. Wissenschaften im J. 1836. Die Abhandlung erschien unter dem Titel : Determ. 
to the question which are the nerves of taste in Dublin Journal of Medical and Chemi¬ 
cal Science. Nov. 1836. 
2 Guyot et Cazalis . Recherches sur les nerfs du goût. Arch, générales de mé¬ 
decine etc. III et nouvelle série. IV. p. 258. Paris 1839.
        

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