Bauhaus-Universität Weimar

38 Hensen, Physiologie des Gehörs. 1. Cap. Aeusseres u. mittleres Ohr. 
mehr oder weniger weitgehende Sum mir un g kleiner, von einem 
in Bewegung befindlichen Körper ausgehender, Stösse, durch einen 
zweiten Körper, welcher dieselben empfängt. Helmholtz ((6-s-6ö) 
giebt als Beispiel den Mechanismus der Kirchenglocken, bei wel¬ 
chen sehr grosse Massen durch kleine, periodisch angebrachte Stösse 
schliesslich in starke Schwingungen versetzt werden. Um die in 
einer Axe aufgehängte Masse in Bewegung zu bringen, genügt es, 
dass jeder neue Anstoss der, vom ersten Stoss mit sehr geringer 
Geschwindigkeit bewegten, Masse, eine Beschleunigung ertheile. Jeder 
Anstoss wird so lange die Geschwindigkeit der Glocke vermehren, 
bis ihre Elongation so gross geworden ist, dass die, zugleich mit der 
Elongation wachsende, Reibung, in der Zwischenzeit der Stösse die 
gewonnene Geschwindigkeit vernichtet. Ob längere oder kürzere 
Pausen beim Ziehen der Glocke eintreten, ist nur insofern von Be¬ 
deutung, als der Reibung mehr Zeit bleibt, die gesetzte Bewegung 
zu vernichten. Dabei ist vorausgesetzt, dass die Periode der Züge 
sich nach derjenigen der Eigenschwingung der Glocke richte. Ge¬ 
schieht dies nicht, so summiren sich die Züge nur im Verlaufe kür¬ 
zerer Zeit oder es findet gar keine Summirung mehr statt. Wenn 
die Züge doppelt (oder -fc) mal so rasch erfolgen wie die Schwin¬ 
gungen, hebt die Wirkung des zweiten Zuges sogar diejenige des 
ersten völlig auf. Der Fall des Auftretens von Pausen interessirt 
hier weniger, weil Derartiges bei dem continuirlich, aber in wech¬ 
selnder Richtung wirkenden Andrang der, in Sinusschwingungen be¬ 
findlichen, Luftmolekel nicht leicht vorkommt. 
Die Theorie des Mitschwingens gaben Seebeck (52) und später 
Mach53, sowie für den besonderen Fall des Mitschwingens von Stimm¬ 
gabeln, unter Einwirkung des von einer zweiten Gabel unterbroche¬ 
nen, einen Eisenkern umkreisenden galvanischen Stroms, 'Helmholtz 
(5. Beil. IX). 
Wenn feste Körper in widerstehenden Medien, z. B. in Luft, 
schwingen, so ändern sich die Formeln (1) und (2) (v. S. 5) etwas. Wenn 
auf einer Membranfläche f die Luft mit dem Druck Df lastet, so wird, 
wenn sich die Fläche mit der Geschwindigkeit v bewegt, die Luft 
vor ihr um — verdichtet, hinter ihr um ebensoviel verdünnt, c be- 
c „ 
deutet dabei die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalls und k die 
specifische Wärmecorrection. Die Platte wird demnach 
53 Mach. Zur Theorie des Gehörorgans. Sitzgsber. d. Wiener Acad. Math.-anat. 
Classe. Wien 1863.
        

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