Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Zweiter Theil: Die Lehre von der Lichtempfindung
Person:
Fick, Adolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19185/62/
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Fick, Physiol. Optik IL 4. Cap. Die gemischten Farben. 
IT. Farbentoii abhängig von der Stärke des Reizes. 
Die sämmtlichen in den vorstehenden Paragraphen dargestellten 
Lehren haben nur unter der noch nicht ausdrücklich ausgesprochenen 
Voraussetzung Geltung, dass die Strahlung, welche die Lichtempfin¬ 
dung hervorruft, einen mittler en Intensitätsgrad besitzt. Lässt man 
irgend eine Strahlung, sei sie homogen oder gemischt entweder in 
ausserordentlich geringer oder in enorm grosser (blendender) Inten¬ 
sität auf die Netzhaut wirken, so entsteht eine Lichtempfindung ohne 
bestimmbaren Farbenton, d. h. die Empfindung weiss, die man bei 
geringem Intensitätsgrade bekanntlich grau nennt. Was die Richtig¬ 
keit des Satzes bezüglich der minimen Intensitätsgrade betrifft, so 
wird sie schon durch das alte Sprichwort „ bei Nacht sind alle Katzen 
grau“ bewährt. Doch ist es von Interesse zu untersuchen, welche 
Farbentöne bei abnehmender Intensität zuerst auf hören erkennbar 
zu sein. Ausgedehnte Versuchsreihen hat hierüber Aubert 1 mit Pig¬ 
mentfarben angestellt, von deren Ergebnissen besonders das hervor¬ 
zuheben ist, dass am Zinnoberroth bei geringerer Beleuchtungsstärke 
schon ein Farbenton erkennbar ist als am Ultramarinblau, dass aber 
dies letztere heller erscheint als jenes, obwohl bei mittlerer Tages¬ 
helligkeit das Zinnoberroth entschieden den helleren Eindruck macht. 
Lässt man eine homogene Strahlung in ausserordentlicher Hellig¬ 
keit wirken, so geht am leichtesten Violett in weiss über. Die an¬ 
deren Farbentöne gehen bei Steigerung der Helligkeit meist mit Aen- 
derung ihres Tones ebenfalls in weiss über und zwar nimmt merk¬ 
würdigerweise diese Aenderung des Tones bei verschiedenen eine 
entgegengesetzte Richtung. Blau nämlich geht durch blass violett in 
weiss über, Grün durch gelblichgrün. Der rothe Farbenton wird 
blassgelblich und es gelingt nach Helmholtz selbst bei der blen¬ 
dendsten Helligkeit nicht ihn vollständig in weiss überzuführen. 
Diese sämmtlichen Erscheinungen sind ohne allen Zwang mit 
der YouNG’schen Theorie zu vereinigen. Man braucht nur die durch¬ 
aus plausibele Annahme zu machen, dass bei äusserst geringen und 
äusserst hohen Intensitätsgraden der Strahlen die Erregbarkeitskur¬ 
ven der drei Fasergattungen nicht mehr den Fig. 52 gezeichneten 
Gang einhalten, sondern nahe zusammenfallen. Noch genauer könnte 
man den Thatbestand graphisch darstellen, wenn man für jede Strah¬ 
lenart drei Kurven konstruirte den drei Fasergattungen entsprechend 
deren Abscissen die Intensität der Strahlenart repräsentiren und deren 
1 Aubert, Physiologie der Netzhaut. 2. Abschn. 2. Cap.
        

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