Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Zweiter Theil: Die Lehre von der Lichtempfindung
Person:
Fick, Adolf
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19185/1/
ZWEITER THEIL. 
DIE LEHRE VON DER LICIITEMPFINDUM. 
VON 
Prof. Dr. A. FICK in Würzburg. 
EINLEITUNG. 
Die Strahlen, deren Dang durch die brechenden Medien des 
Auges wir im vorigen Abschnitte verfolgt haben, fallen zuletzt auf 
die im Hintergründe des Auges ausgebreiteten Sehnervenenden, und 
bilden deren adäquaten Reiz. Es ist bekannt, dass auf die eigent¬ 
liche Nervensubstanz strahlend fortgepflanzte Aetheroscillationen gar 
nicht oder nur dann reizend wirken, wenn sie dieselben in solcher In¬ 
tensität treffen, dass dadurch eine für das Nervengewebe fast tödtliche 
Erwärmung hervorgebracht wird. Das Auge wird dagegen, wie die 
tägliche Erfahrung lehrt, von äusserst schwachen Strahlungen sehr 
merklich erregt. Solche aber, wie sie z. B. von einer durch schwachen 
Mondschein beleuchteten Fläche ausgesandt werden, können ganz 
sicher ein eigentliches Nervenelement, sei es Faser oder Zelle, nicht 
reizen. Man muss daher nothwendig annehmen, dass an den Enden 
der Sehnervenfasern besondere Apparate angebracht sind. Sie kön¬ 
nen nicht aus eigentlicher Nervensubstanz bestehen, deren molekulares 
Gleichgewicht durch so schwache Anstösse eben noch nicht in dem 
zum Entstehen einer Erregungswelle erforderlichen Grade gestört wird. 
Sie müssen vielmehr aus einem Stoffe bestehen, welcher wie etwa 
die photochemisch empfindlichen Substanzen die Eigenschaft haben, 
dass sie treffende Aetherschwingungen darin chemische Kräfte aus- 
lösen, welche eine weit grössere Arbeit zu leisten vermögen als die 
auslösenden Aetherschwingungen. Diese grössere Arbeit kann dann 
zur Erregung der mit diesen Apparaten zusammenhängenden Nerven¬ 
enden verwandt werden. Nur auf diese Art kann die Erregung der 
verhältnissmässig trägen Nervensubstanz durch so märchenhaft ge-
        

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