Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Vierter Theil: Der Raumsinn und die Bewegungen des Auges
Person:
Hering, Ewald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19184/27/
Scheinbar verticale und horizontale Linien. 
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deren Netzhäute eine geringere oder gar keine Incongruenz zeigen, 
müssen die scheinbar verticalen Linien des Objectfeldes entsprechend 
weniger oder gar nicht zu den scheinbar horizontalen Linien des Ob¬ 
jectfeldes geneigt sein. 
Aus dem Erörterten folgt, dass ein im Objectfelde gelegenes 
rechtwinkliges Kreuz, dessen einer Schenkel vertical, der andere 
horizontal liegt, weder mit dem rechten noch mit dem linken Auge 
gesehen rechtwinklig erscheint, sondern dass ersterenfalls der rechte 
obere und der linke untere, letzterenfalls der linke obere und der 
rechte untere Winkel etwas grösser als ein Rechter gesehen wird, 
immer vorausgesetzt, dass die Incongruenz der Netzhäute bei dem 
Beobachter vorhanden ist. Um das Kreuz rechtwinklig zu sehen, 
muss man den verticalen Schenkel für das rechte Auge mit dem 
oberen Ende etwas nach rechts, für das linke entsprechend nach links 
neigen, so dass das wirkliche Kreuz etwas schiefwinklig wird. Der 
Winkel, unter welchem sich die beiden Schenkel durchschneiden, 
entspricht dem Winkel, unter welchem der mittle Längsschnitt zum 
mittlen Querschnitt der Netzhaut geneigt ist. 
Bei den bis jetzt erörterten Thatsachen kam es auf eine be¬ 
stimmte Lage der im Objectfelde gelegenen Linien in Beziehung auf 
die Lage der Netzhautquerschnitte an; für die folgenden ist die Lage 
der beobachteten Linien im Objectfelde gleichgültig. 
Jede durch die Fixationspunkte gehende Gerade des Objectfeldes 
erscheint auch im Sehfelde als eine Gerade.1 Nicht dasselbe gilt 
von den ausserhalb des Fixationspunktes verlaufenden Geraden. 
1 Yergl. jedoch die im vorigen Capitel S. 359 erwähnte Beobachtung v. Reck¬ 
linghausen’s und Berthold’s. 
Handbuch der Physiologie. Bd. III. 
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