Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des Gesichtssinns, Vierter Theil: Der Raumsinn und die Bewegungen des Auges
Person:
Hering, Ewald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19184/137/
Kopfhalter. 
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seine verticale Axe den Kopf nach links oder rechts drehen. Man kann 
also auf diese Weise dem Kopfe diejenige Stellung geben , bei welcher 
die Verbindungslinie der beiden Drehpunkte der Augen genau in die 
mathematische Axe fällt, um welche sich die beiden Metallaxen in den 
beiden Säulen drehen können. Da nun mit diesen Metallaxen das Zahn¬ 
brettchen verbunden ist, und in letzterem wieder der Kopf unverrückbar 
fixirt ist, so kann man mit Hülfe des Apparates den Kopf um jene Axe 
drehen und mittels eines an der Metallaxe befestigten Zeigers auf einem 
Gradbogen die jeweilige Neigung des Kopfes, beziehentlich der Blick¬ 
ebene ablesen. Hält man nämlich z. B. den Kopf zunächst aufrecht, 
und stellt die Blickebene horizontal, neigt dann den Kopf um 10° nach 
vorne, so hat sich die Blickebene um 10° gehoben, während die Drehpunkte 
beider Augen ihren Ort im Raume nicht geändert haben. 
Um zu controliren, dass die Drehpunkte der Augen in der Drehungs- 
axe des Apparates liegen, stellt man vor dem am Brettchen fixirten Kopfe 
einen verticalen, der Frontalebene parallelen Spiegel auf und vor jedes 
Auge ein Fadenkreuz, dessen Ebene der Spiegelebene parallel und des¬ 
sen einer Schenkel vertical, der andere horizontal ist. Beide Fadenkreuze 
haben einen der Augendistanz gleichen Abstand. Deckt sich für jedes 
Auge das Fadenkreuz mit seinem Spiegelbilde, so stehen die Gesichts¬ 
linien senkrecht auf der Spiegelebene. Dreht man nun, während man 
den Mittelpunkt des Fadenkreuzes fixirt, den Kopf im Kopf halter nach 
vorn oder hinten, und bleibt dabei die Deckung zwischen Fadenkreuz 
und Spiegelbild erhalten, so dreht sich der Kopf um die durch beide 
Drehpunkte der Augen gehende Axe. Selbstverständlich muss man eine 
Entfernung des Spiegels und einen Abstand des Fadenkreuzes vom Spiegel 
wählen, bei welchem letzteres und sein Spiegelbild gleichzeitig ziemlich 
scharf gesehen werden können. Man findet durch Ausprobiren leicht die¬ 
jenige Stellung des Zahnbrettchens, bei welcher für die beiden Augen 
die Verschiebung des Spiegelbildes auf ein Minimum gebracht wird; 
dann liegt derjenige Punkt des Auges in der Axe des Apparates, wel¬ 
cher für unsere Zwecke als der feste Drehpunkt des Auges angesehen 
werden darf. 
Der Apparat erspart, wenn er einmal eingestellt ist, viel Zeit und 
Mühe, da man ihn dann zu den mannigfachsten Versuchen benützen kann, 
bei denen es darauf ankommt, die Augenstellung genau zu controliren 
und die absolute Lage des Drehpunkes zu kennen. Bringt man vor dem 
Apparate eine verticale Ebene an, welche der Drehungsaxe des Appa¬ 
rates parallel geht, und markirt die beiden Punkte, in welchen die hori¬ 
zontal und parallel geradeaus gestellten Gesichtslinien senkrecht auf die 
Tafel treffen, so kann man aus dem Abstande eines beliebigen, horizontal 
nach rechts oder links von diesen Punkten gelegenen Fixationspunktes 
den Winkel der Seitenwendung der bezüglichen Gesichtslinie leicht be¬ 
rechnen, insofern dieser Abstand dividirt durch den Abstand der Beob¬ 
achtungsebene von dem Drehpunkte des Auges die Tangente des gesuchten 
Winkels giebt. Da man ausserdem am Apparate die jeweilige Neigung 
der Blickebene ablesen kann, so kennt man jederzeit genau die Lage der 
Gesichtslinie relativ zu den Hauptebenen des Kopfes. 
Die Genauigkeit, mit welcher die Vergleichung der Richtung der
        

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