Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie der Hautempfindungen und der Gemeingefühle, Zweiter Theil: Der Temperatursinn
Person:
Hering, Ewald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19183/24/
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Hering, Temperatursinn. 
selbe bestand aus einem neusilbernen Röhrchen, das nach unten durch 
eine kleine fingerhutförmige Kapsel von dünnem Silberblech abge¬ 
schlossen und durch eine bis nahe an diesen Boden reichende Längs¬ 
scheidewand getheilt war. Jede der beiden Längshälften ging nach 
oben in ein schräg angesetztes Röhrchen über, so dass der ganze 
Apparat die Form eines Y hatte. Wurden die seitlichen Röhrchen 
mit Kautschukschläuchen verbunden, so konnte man Wasser von be¬ 
liebiger Temperatur durch den Apparat strömen lassen, und dadurch 
seinen Boden verschieden temperiren. 
Mit diesem Apparate suchte Klug auch festzustellen, ob das 
Maass des kleinsten Abstandes, welchen die beiden Taster haben 
mussten, um noch gesondert localisirt zu werden, mit von der Tem¬ 
peratur der Taster abhängig sei. Er brachte zu diesem Zwecke 
beide Taster auf gleiche Temperatur von 5 °, 200 oder 50 0 C. und 
fand zunächst, dass bei 5 0 der Minimalabstand am kleinsten, bei 50 0 
am grössten war, während sich bei 20° ein mittler Werth des Mini¬ 
malabstandes ergab, der sich nicht änderte als Klug die Taster, 
statt auf 20 °, auf 30 bis 40 0 brachte. Da eine Temperatur von 5]° 
von der Hauttemperatur viel stärker abweicht, als eine Temperatur 
von 50 °, höhere Temperaturen aber nicht angewandt werden können, 
weil sie schmerzhaft sind, so brachte Klug den Arm unter Wasser 
von 15 0 C., um seine Haut abzukühlen, und setzte die Taster, durch 
welche er Wasser von 55° oder von 5° leitete; unter dem Wasser 
auf die Haut. Hierbei ergab. sich nun für die warmen Taster ein 
kleinerer Minimalabstand als für die kalten. Demnach nimmt, so 
folgert Klug, der Ortsinn an Feinheit zu, wenn der Temperatur¬ 
unterschied zwischen den Tastern und der Haut im einen oder an¬ 
deren Sinne wächst. Uebrigens waren die Unterschiede der Taster¬ 
distanzen geringfügig und nicht grösser, als wie sie sich'für Klug 
ergaben, wenn er die Taster bei einer mittlen Temperatur einmal 
sanft aufsetzte und das andere Mal aufdrückte. Auch hierbei fand sich 
eine Verfeinerung des Ortsinnes durch Steigerung der Druckempfin¬ 
dung, wie dort durch Steigerung der warmen oder kalten Tempera¬ 
turempfindung. 
Wenn Klug den einen Taster auf 50°, den andern auf 5° tem- 
perirte, so fand er den kleinsten Abstand der Taster bald eben so 
gross, bald etwas grösser als bei gleicher Temperatur beider Taster 
von 20 °. 
Schon vor Klug hat Räuber1 analoge Versuche, jedoch nach einer 
andern Methode angestellt und vorläufige Mittheilung davon gemacht. Er 
1 Räuber, Centralbl. f. d. med. Wiss. 1S69. S. 273.
        

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