Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erwiderung auf R. Engelands Bemerkungen zu den Abhandlungen über die pflanzlichen Betaine und über das Stachydrin
Person:
Schulze, E. G. Trier
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit19116/2/
Erwiderung auf R. Engelands Bemerkungen. 327 
nicht erwähnt hat — woraus man schließen kann, daß er damals mit 
der Frage der Konstitution des Stachydrins sieh noch nicht beschäftigt 
hatte. Engeland1) erklärt nun. daß unsere vorläufige Mitteilung ihm 
unbekannt geblichen sei. Dies hat uns in hohem Grade überrascht. Wir 
glauben annehmen zu dürfen, daß in dem physiologisch-chemischen La¬ 
boratorium. in welchem Engeland seine Untersuchungen ausführte, die 
Zeitschrift für physiologische Chemie eine der am meisten gelesenen Zeit¬ 
schriften ist. Daß Engeland in diesem Laboratorium über die Konsti¬ 
tution des Stachydrins arbeiten konnte, ohne von einer über den gleichen 
Gegenstand in der genannten Zeitschrift im gleichen Jahre erschienenen 
Mitteilung irgend etwas zu erfahren, ist uns unbegreiflich *i — umsomehr, als 
ja in dem Chemischen Zentralblatt, im Biochemischen Zentralblatt und 
in der Chemikerzeitung Referate über jene Mitteilung erstattet worden sind. 
Wir sind übrigens nicht die ersten, die sich über Engeland wegen 
Nichtberücksichtigung ihrer Arbeiten beklagt haben; den Beweis dafür 
gehen die Bemerkungen, die R. Krimberg1) zu Enge lands Abhand¬ 
lung über Bestandteile des Fleischextraktes gemacht hat. 
Engeland doc. eit.) glaubt sich nun darüber beschweren zu können, 
daß wir, ohne seine Abhandlungen zu zitieren, über die Bildung der Be¬ 
taine in den Pflanzen Vermutungen ausgesprochen haben, die mit den 
von ihm geäußerten übereinstimmen. Darauf haben wir folgendes zu 
antworten: Nachdem die in unserer vorläufigen Mitteilung erwähnten 
Tatsachen zu der Vermutung geführt hatten, daß «las Stachydrin das 
Methylbetain der Hygrinsäure (Dimethylbetain des a-Prolins) sei, mußte 
man schon an einen genetischen Zusammenhang dieser Base mit dem 
heim Eiweißabbau entstehenden «-Prolin denken. Uns lag dieser Gedanke 
um so näher, als in unserem Laboratorium gezeigt worden ist, daß Prolin 
m den Pflanzen vorkommt und daß im Safte der Stachysknollen das 
Stachydrin neben Tyrosin, Arginin und Glutamin, also neben Produkten 
des Eiweißumsatzes, auftritt. Steht aber die Bildung des Stachydrins in 
den Pflanzen in einem solchen Zusammenhänge mit dem Eiweißabbau, 
so ist dies auch für das Betain C5HnN02 nicht unwahrscheinlich, wobei 
freilich in Betracht kommt, daß diese Base auch durch Oxydation des 
Cholins entstehen kann. Es ist also leicht zu erkennen, daß die Ergeb¬ 
nisse unserer Untersuchungen über das Stachydrin die Grundlage jener 
\ermutungen bilden.4) Wir hielten uns aber nicht für verpflichtet, beim 
G Diese Zeitschrift, Bd. LXVII. S. 4011. 
*) Man pflegt doch, falls die Zeit zum eingehenden Studium «1er in 
den Fachzeitschriften erschienenen Abhandlungen fehlt, wenigstens die 
Titel dieser Abhandlungen zu lesen, damit man weiß, worüber andere 
Autoren gearbeitet haben. 
3) Ber. d. Deutsch, ehern. Ges., Bd. XLII. S. 3878. 
4i Bestimmt ist dies auch ausgesprochen bei E. Winterstein und 
G. Trier: «Die Alkaloide». Berlin 1910, S. 290.
        

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