Bauhaus-Universität Weimar

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etwas genauer überlegt, so sieht man bald, dass der Kreis der Möglichkeiten nicht sehr 
bedeutend ist. 
Hensen in seinem oben erwähnten Aufsatz vermuthet, der Uebergang von Elementen 
des obern Keimblattes in das mittlere falle in jene Periode, da die beiden Blätter zur 
Axenplatle vereinigt sind. Schon Remak hatte die Möglichkeit hievon angedeulet, und ich 
bin, nachdem ich Anfangs eine andere Annahme gehegt hatte, schliesslich durch die Beob¬ 
achtung zu derselben Vorstellung geleitet worden. Ich hatte mir nämlich ausgedacht, es 
möchten sich die Ganglien aus scheidewandartigen Fortsätzen bilden, die vom Hornblatt 
in die Urwirbelplatten hineinwachsen und deren Scheidung in hinter einander liegende 
Stücke bewirken. Solche Fortsätze werden der Beobachtung von der Fläche her oder an 
Querschnitten wohl entgehen können, um so leichter aber an Sagittalschnitten sich bemerk¬ 
bar machen. Ich bin nun in der That im Stande gewesen, von dem Vorhandensein solcher 
Fortsätze mich zu überzeugen. An Sagittalschnitten erhärteter Embryonen vom Ende des 
zweiten Tages fand ich, dass zwischen je zwei Urwirbel ein aus Zellen bestehender Keil 
sich einschiebt, der auf das Unzweifelhafteste vom Hornblatt abgeht und der, an seiner 
Basis verbreitert, nach unten sich zuspitzend, bis etwas über die Mitte der Urwirbel sich 
vordrängt; denselben Hornblattfortsatz kann man auch dann wahrnehmen, wenn es gelingt, 
den frischen Embryo mit den Keimhäuten der Länge nach zu falten; ebenso kann man 
sich an Flächenansichten ganz frischer Embryonen von dessen Vorhandensein überzeu¬ 
gen. Betrachtet man nämlich den Embryo von der Bauchseite, so sieht man die von der 
Aorta theilweise überlagerten Urwirbel durch klaffende Spalten getrennt; legt man aber 
den Embryo mit dem Rücken nach oben, so nimmt man ohne*Mühe wahr, dass die obern 
Gränzen der Urwirbel verwischt sind durch Ueberlagerung mit querlaufenden Zellenstreifen, 
die nach aufwärts in das Hornblatt sich fortsetzen, während man sie nach abwärts durch 
veränderte Focuseinstellung bis in die Höhe der Urwirbelhöhlen herab verfolgen kann. Ich 
habe nun erwartet, die Umwandlung der eben beschriebenen Bildungen in Ganglienaulagen 
verfolgen zu können, allein meine Erwartung bestätigte sich nicht. Die Fortsätze verlieren 
sich allmählig, ohne dass etwas Neues aus ihnen hervorgeht; schon bei Embryonen vom 
Ende des dritten Tages sieht man das Hornblatt über die vordem Urwirbel sich glatt oder mit 
nur seichter Einziehung fortsetzen, während es zwischen die hintern noch tiefgehende Scheide¬ 
wände abgiebt. Gleichwohl scheint es mir durchaus unwahrscheinlich, dass die fraglichen 
Gebilde von blos zufälliger Bedeutung seien, viel eher glaube ich, dass sie den Rest eines 
ältern Scheidungsvorganges darstellen, den man nun allerdings nothgedrungen in die Pe¬ 
riode der Axenplattenbildung wird verlegen müssen. Leider bin ich bis jetzt noch nicht 
im Stande gewesen, die bedeutenden technischen Schwierigkeiten zu überwinden, welche 
der Prüfung dieser Annahme im Wege stehn, aber wie Hensen halte ich das Gewicht der 
innern Gründe, welche für eine einheitliche Bildung des Nervensystems sprechen, für über¬ 
wiegend gross. Auch das scheint mir unzweifelhaft, dass bei der so früh vor sich gehenden
        

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