Bauhaus-Universität Weimar

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* L. de Jager, 
Die Lackmuswerte sind sehr unregelmäßig und es gelang 
mir nicht, mit Lackmuspapier den Neutralisationspunkt genau 
zu bestimmen. Doch war die Flüssigkeit immer stark alkalisch 
für Lackmus, wenn dieselbe für Phenolphthalein neutral war. Es 
war also wahrscheinlich, daß durch die konzentrierte Sulfat- 
lüsung der Neutralisationspunkt verschoben wird. Der Versuch 
bestätigte dieses. Es ist bekannt, daß zu einer Lösung von 
Salmiak Alkali hinzugesetzt werden muß, bevor Phenolphthalein 
rotgefärbt wird. Eine Lösung von 50 mg NH4C1 wurde mit 
5 g K2S04 versetzt. Es genügte jetzt ein Tropfen Zehntel¬ 
normallauge, um Kotfärbung hervorzurufen. Nach Zugabe von 
Kaliumsulfat zu einer Salmiaklösung kann der Ammoniakgehalt 
genau bestimmt werden, wenn sowohl vor als nach dem 
Formalinzusatz Phenolphthalein als Indikator benutzt wird und 
bis zur Rösafärbung titriert wird. 
Der Einfluß des Sulfats ist leicht verständlich. Ammonium¬ 
chlorid ist für Phenolphthalein sauer, weil die H-Ionenkonzentration 
zu hoch ist. Dasselbe ist auch der Fall, wenn auch in ge¬ 
ringerem Maße, wenn das Ammoniak durch Formol gebunden 
ist. Durch Zusatz einer größeren Menge eines Neutralsalzes 
wird die Ionisation verringert und es wird die Flüssigkeit tat¬ 
sächlich neutral, so daß eine Spur eines Alkalis genügt, die 
OH-Ionenkonzentration so weit zu erhöhen, daß die Zwischen¬ 
färbe des Phenolphthaleins zum Vorschein gerufen wird. 
Dasselbe fand Folin1) nach Zusatz von Kaliumoxalat. 
Auch dadurch wurde die saure Reaktion von Ammoniakver¬ 
bindungen zu einer neutralen. 
Die Bestimmung gestaltet sich nun überaus einfach. Die 
\ ccm des ursprünglichen Harns entsprechenden 50 ccm des 
von Kupfer befreiten Filtrats werden mit starker Natronlauge 
unter Zusatz von 3 Tropfen einer Phenolphthaleinlösung bis 
zur Rotfärbung neutralisiert und soviel starke Salzsäure hin¬ 
zugesetzt, bis die rote Farbe eben verschwunden ist. Mit 
Zehntelnormalnatronlauge wird jetzt bis zur Rosafärbung titriert, 
ö ccm neutralisiertes Formalin zugesetzt und wieder bis zur 
Rosafärbung Lauge hinzugesetzt. 
') American Journal of Physiologie, Bd. IX. Nr. 5.
        

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