Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Oxydationen in lebenden Zellen nach Versuchen am Seeigelei
Person:
Warburg, Otto
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18973/20/
m 
Otto Warburg. 
der Atmung durch die Wasserstoffionen, Hydroxylionen und 
Metallspuren, die keine entsprechende Beeinflussung der Ent¬ 
wicklungsgeschwindigkeit, sondern Stillstand der Entwicklung 
zur Folge hat. An der Grenze aller derartigen Beeinflussungen 
findet man verlangsamte Entwicklungsgeschwindigkeit bei un¬ 
veränderter oder gesteigerter Atmung. Es wird dann also 
zu derselben physiologischen Leistung viel mehr 
Sauerstoff verbraucht, als normalerweise. 
Eine ganz besondere Stellung nimmt die Blausäure als 
oxydationsbeeinflussendes Mittel ein. Hier liegen die Verhält¬ 
nisse so, daß einer stark verminderten Oxydationsgeschwindig¬ 
keit auch eine stark verminderte Entwicklungsgeschwindigkeit 
entspricht; und zwar ist diese verlangsamte Entwicklung, die 
ich ca. 16 Stunden lang beobachtete, sehr schön und von der 
normalen Entwicklung nur durch die Geschwindigkeit zu unter¬ 
scheiden. Wenn man also in befruchteten Eiern die Oxy¬ 
dationen, immer reversibel, einerseits durch Wasserstoffionen, 
anderseits durch Blausäure, um den gleichen Betrag herunter¬ 
drückt, so findet man im ersten Falle keine Entwicklung, im 
zweiten „normale, verlangsamte Entwicklung. Nachdem ich 
gezeigt habe, daß die Wasserstoffionen nur auf die Oberfläche 
wirken, ist der erste Fall nicht wunderbar; denn sie werden 
eben ganz einseitig die Verbrennungen beeinflussen, und diese 
sind sicher nicht die einzigen chemischen Prozesse, die im Ei 
vor sich gehen. Um so wichtiger ist die Wirkungsweise der 
Blausäure, von der man weiß, daß sie in die Zellen eindringt; 
es gibt keinen besseren Vergleich, als die Temperaturwirkung, 
bei der auch Oxydations- und Entwicklungsgeschwindigkeit 
parallel gehen. Vielleicht werden die hier angedeuteten Ver¬ 
hältnisse einmal eine Rolle spielen, wenn man in die Ur¬ 
sache der Zersetzlichkeit lebender Moleküle tiefer eindringen 
will. — Praktisch, bei Anstellung von, Experimenten, sind 
sie geeignet, vor einem Irrtum zu bewahren. Ich habe oben 
mitgeteilt, daß die reine Kochsalzlösung deshalb giftig wirkt, 
weil sie die Oxydationen so enorm steigert. Man könnte 
nun versuchen, die Oxydationen wieder durch Blausäure auf 
den normalen Wert herabzudrücken und dann normale Ent-
        

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