Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Kenntnis des Blutfarbstoffs. 239 
Die Reduktion von hämatinhaltigen Flüssigkeiten hat zu¬ 
erst Stokes1) mit Hilfe der nach ihm benannten Reagenzien 
ausgeführt, der hierbei entstehende Körper wurde dann von 
Hoppe-Seyler,2) der ihn aus dem Hämoglobin herstellte, 
Hämochromogen genannt. Eine Darstellung in größeren Mengen 
oder im reinen Zustande gelang ihm nicht, die Versuche 
scheiterten «an seiner großen Löslichkeit und leichten Oxy¬ 
dation». So wurde das Hämochromogen lediglich durch das 
charakteristische Spektrum seiner sauren3) resp. namentlich 
seiner alkalischen Lösung identifiziert. 
Erst Zeynek4) ist es gelungen, wenigstens ein Salz des 
Hämochromogens in annähernd reinem Zustande herzustellen 
und zwar mit Hilfe von Hydrazin, auf dessen Verwendbarkeit 
zuerst Curtius5) hingewiesen hatte, später hat sich auch 
1‘regl6) desselben Mittels bedient. Als geeignet, das Hämatin 
zum Hämochromogen zu reduzieren, erwiesen sich ferner hydro- 
sehwefligsaures Natrium und dann namentlich Schwefelwasser¬ 
stoff in alkalischer Lösung, die Hoppe-Seyler7) bei seinen 
Versuchen über das Kohlenoxydhämochromogen benützte. Als 
‘) Hoppe-Seylers Lehrbuch der physiol. Chem., S. 392. 
*) Med. ehern. Untersuchungen, S. 540. 
') Hämatin löst sich in saurem Alkohol besser als in Alkohol allein, 
was ich bisher darauf zurückgeführt habe, daß sich z. B. ein leicht lös¬ 
liches schwefelsaures Salz bildet analog dem Hämin, also ein Eisensalz. 
Da beim Hämochromogen eine ähnliche Salzbildung ausgeschlossen ist, 
halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß auch der organische Teil des 
Moleküls basische Eigenschaften besitzt und mit Säuren Salze zu bilden 
vermag. Das Hämochromogen wird als Ferroverbindung stärker basisch 
sein als die Ferriverbindung «Hämatin» und demzufolge wird eine stärkere 
Abschwächung der sauren Teile hervorgerufen als im Hämatin, bei dem 
sich vielleicht zwei Carboxyle mit zwei basischen Gruppen des Moleküls 
nahezu ausgleichen. Möglicherweise erklärt sich hieraus aueji die Tat¬ 
sache, daß das Hämochromogen Eisen leichter abspaltet als Hämatin. 
Diese Anschauungen lassen sich bei der Aufsteilung eines Formelbildes 
benützen, worauf ich später zurückkommen werde. 
*) Diese Zeitschrift, Bd. XXV, S. 492 (1898). 
b) Journ. f. prakt. Chem., Bd. XXXIX, S. 43. 
e) Diese Zeitschrift, Bd. XL1V, S. 173. 
’) Diese Zeitschrift, Bd. XIII, S. 47« (1882).
        

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