Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Analyse der Gefrierpunkterniedrigung physiologischer Flüssigkeiten. II. Mitteilung: Gefrierpunkerniedrigung von Suspensionen
Person:
Tezner, Ernst Johann Roska
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18903/7/
Beiträge zur Analyse der Gefnerpunkterniedrigung. II. 501 
Aus dem Vorzeichen der Differenz können wir nach dem 
oben Gesagten zurück auf die Oberflächenspannung schließen. 
Dieselbe erscheint demnach kleiner als die des Wassers und 
bewirkt so die positive Adsorption, welche in den Werten der 
letzten Kolumne zum Ausdruck kommt. Negative Adsorp¬ 
tion fanden wir niemals, dagegen sind die positiven 
Werte tatsächlich sehr gering. 
Das Problem, mit welchem wir uns beschäftigten, spielt 
in der Physiologie eine ziemlich wichtige Rolle. Ein l.ieblings- 
thenia der physiologischen Phvsikochemie, das Blut, ist ja nichts 
anderes als eine Suspension roter Blutzellen inr Blutplasma. 
Ind die absoluten Werte der gefundenen Abweichungen sind 
so beträchtlich, daß wir dieselben bei physiologischen Betrach¬ 
tungen keinesfalls außer acht lassen dürfen. 
Von größter prinzipieller Wichtigkeit scheint uns die von 
uns gefundene latsache, daß sich die Gefrierpunkterniedrigung 
von Lösungen auch durch solche Zusätze ändern kann, die die 
osmotische Konzentration beinahe oder ganz unberührt lassen. 
>o können z. B. minimale Fettsäuremengen, wie sie durch die 
physiologische Lipolyse im Blute abgespalten werden, die Ober¬ 
flächenspannung und dadurch auch die Gefnerpunkterniedrigung 
•les Blutes wesentlich verringern. Wir haben dann eine Ände¬ 
rung in dem osmotischen Betriebe des Organismus vor uns, zu 
•leren Erklärung die geringe Änderung in der osmotischen Kon¬ 
zentration nicht mehr ausreicht. Wie immer, wenn wir ein 
derartiges — hier nur vermeintliches — Mißverhältnis zwischen 
Ursache und Folge entdecken, wären wir vielleicht geneigt, 
vitale Funktionen vorauszusetzen, wenn der Vorgang nicht auf 
dem Umweg über die Oberflächenenergie eine physikalische 
Lösung fände. 
Bemerkenswert ist, daß sich mit der Gefrierpunkternie- 
dngung auch die übrigen coliigativen Eigenschaften ändern. So 
werden wir z. B. in der Viskosität des Blutes ganz ähnliche 
Änderungen — auf unverhältnismäßig geringfügige Vorgänge — 
erwarten können.
        

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