Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Diagnostik der Geisteskrankheiten für praktische Ärzte und Studierende
Person:
Sommer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18866/39/
Untersuchung des körperlichen Zustandes. 
VA. 
Von diesen drei Momenten scheint das dritte eine viel grössere Be¬ 
deutung zu haben, als bisher angenommen wurde. Es ist mir sehr wahr¬ 
scheinlich geworden, dass das Wachsthum der einzelnen Schädelknochen, 
welches an den Nähten geschieht, ganz feste Beziehungen zu bestimm¬ 
ten (dein rns tell en hat, dass Gehirntheile einen trophischen Einfluss auf 
Partien des Schädelkuochens ausüben, deren Wachsthum nach Verletzung 
bzw. Erkrankung jener stillsteht. Und zwar scheint dieser Einfluss genau 
wie es neben Entwicklungshemmung der Extremitäten bei Porencephalic 
hervortritt, ein gekreuzter zu sein, derart, dass die linke Hirnhälfte die 
rechte Schädelseite und die rechte Hirnhälfte die linke Schädelseite trophisch 
beeinflusst. Dazu kommt die nachweisbare Thatsache, dass die Störung des 
Wachsthums an einer Naht das übrige Schädelwachsthum in gesetz- 
mässiger Weise beeinflusst, so dass ganze Pieihen von secundären 
Abnormitäten entstehen. Es lassen sich also Abnormitäten, die schein¬ 
bar gleichwertig neben einander stehen, vom physiologischen Stand¬ 
punkt in der Weise gruppiren,. dass ein genetisches bzw. pathogene¬ 
tisches Grundmoment angenommen wird, von welchem sich die übrigen 
Erscheinungen als Folgen ableiten lassen. 
Diese Art der Betrachtung ist der rein statistischen, welche die 
Degenerationszeichen am einzelnen Individuum und bei Gruppen von 
Individuen zählt, völlig entgegengesetzt. Ich werde versuchen, sie in Bezug 
auf eine eigenartige Gruppe von Schädelabnormitäten hier durchzuführen, 
da sie von principieller Bedeutung für die Beobachtung und Bewerthung 
der Degenerationszeichen ist. 
In den oben zur Illustration der Schädelmaasse gewählten Beispielen 
handelt es sich bei den ersten beiden Fällen um einseitige Verwachsung 
der Coronarnaht, wobei in dem einen Fall die rechte, im anderen die 
linke Coronarnaht betroffen ist. Pis zeigen sich nun neben dieser wesent¬ 
lichen Störung eine Reihe von anderen, die sich einander morphologisch 
völlig entsprechen, während sie in Bezug auf die betroffene Seite einander 
entgegengesetzt sind und zu der Lage der Störung an der Coronarnaht 
(‘ine gesetzmässige Beziehung haben. An beiden Schädeln ist an der Seite 
der abnormen Nahtverknöcherung das Stirnbein und das Scheitelbein 
weniger entwickelt und die Pfeilnaht steht schief, so dass das vordere 
Ende nach der der verknöcherten Coronarnaht entgegengesetzten Seite weist. 
Ausserdem ist im I. Fall einseitiges Auftreten von JVonres’schen Knochen 
an der Lambdanaht auf der der Nahtverknöcherung entgegengesetzten 
Seite vorhanden. Diese Abnormität der Pfeilnaht ist wie die Verschieden¬ 
heit der Wölbung bei einseitiger Verknöcherung der Coronarnaht auch in 
den sonstigen von mir bisher gefundenen Fällen ausnahmslos vorhanden. 
Als Beleg gebe ich zu den oben genauer gemessenen Objecten 1 und II 
noch folgende Charakteristik von anderen Schädeln. 
III. Sch ädelsammlun g des anatomise h en In st i tu te s zu Giess c n 
Nr. 82. Partielle Verwachsung der rechten Coronarnaht. Dieselbe ist erst 
5-9 Cm. nacli aussen vom Ansatz der Pfeilnaht erkennbar. Linke Coronarnaht 
sehr gut ausgebildet. Die Pfeilnaht verläuft schief von rechts hinten nach 
links vorn. Stärkere Verwachsung des äusseren unteren Abschnittes der rechten 
Lambdanaht. Schaltknochen an der 1 i n k e n Lambdanaht. Starke Vorwölbung der 
linken Stirnseite. Enorme Vorbuchtung des linken Scheitelbeines. Hier ist die 
Asymmetrie des Schädels noch viel beträchtlicher als in den früher erwähnten
        

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