Bauhaus-Universität Weimar

Zur Erinnerung an Gustav von Hüfner. 
19 
«Ich leug’n es nicht, ich muß es offen klagen, 
Wie herb das Los, sein Leben zu verbringen 
Im Neste hier ! Nicht jedem mags gelingen, 
Tübingens Qualen einsam zu ertragen. 
Doch trotz der Enge, trotz der kleinen Plagen 
Nicht sinken lass’ ich noch der Hoffnung Schwingen, 
Ein freies Leben muß ich doch erringen — 
Nur schimpfen muß ich oft ob meinem Magen. 
Nur oft und weit hinaus ins freie Walten, 
Dann wird Melancholie sich nicht erlauben 
Als Herrin des Gemütes fest zu schalten. » 
t 
Hüfner hätte wohl anderswo wieder andere Schatten¬ 
seiten des akademischen Lebens kennen lernen müssen. In 
bezug auf den Unterricht der Mediziner hat er das angestrebte 
Ziel erreicht,1) auch die «Magen»frage fand eine günstige 
Lösung, als er Frl. Schaal (in Tübingen bekannt als Minele), 
eine schwäbische Bürgerstochter, zur Wirtschafterin nahm, 
die mehr als 30 Jahre seinem Haushalte Vorstand. Mit dem 
Einzuge Lothar Meyers begannen angenehme kollegiale Ver¬ 
hältnisse. 
Die Lichtseiten von Tübingen würdigte Hüfner in vollem 
Maße. Er fand von Jahr zu Jahr mehr treue Freunde; Leipziger 
Kollegen hatten inzwischen in seiner Nähe auch akademische 
Stellungen gefunden. Mit Schmiedeberg und mit Miescher, 
später, als R. Boehm nach Leipzig gekommen war, mit diesem 
gab es häufige Zusammenkünfte ; die Freunde trafen sich regel¬ 
mäßig in den Ferien und an manchen freien Tagen im Schwarz¬ 
walde, unternahmen gemeinsame Ausflüge in die Schweiz und 
i) Hüfner hat sich mehrfach, auch später über dieses für die 
chemische Schulung der Mediziner wichtige Thema ausgelassen. 1892 
schrieb er an Kronecker: «Der physiologische Chemiker muß darnach 
trachten, den gesamten chemischen Unterricht der Mediziner in die 
Hände zu bekommen, wie es bei mir jetzt tatsächlich der Fall ist. . . . 
Das kostet mich freilich tüchtige Anstrengung, ich muß gehörig auf dem 
Damm sein. . . . Bin ich nicht selber auf dem Platze, und zeige ich 
nicht, daß es mir selber Ernst ist, so stieben die Buben plötzlich alle 
auseinander; denn sie wollen ja keine Chemiker werden. Ich muß 
immer als Fuchtel über ihnen schweben.» 
2*
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.