Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der psychopathologischen Untersuchungs-Methoden
Person:
Sommer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18676/9/
Einleitung. 
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für die Psychiatrie nutzbar zu machen“ *), hat er eine Anzahl von 
Einzeluntersuchungen seiner Schule in den psychologischen Ar¬ 
beiten zusammengefasst. 
Zur Einleitung dieses Werkes hat Kraepelin sich principiell 
über den psychologischen Versuch in der Psychiatrie ausgesprochen. 
:Sein Ausgangspunkt ist das psychophysische Laboratorium Wundt's. 
Nachdem er die bahnbrechende Thätigkeit Wundt's geschildert hat, 
sagt Kraepelin pag. 4: ,.Gerade die Psychopathologie, so sollte man 
erwarten, könnte in ganz besonderem Masse davon Nutzen ziehen, 
dass nunmehr eine wirkliche Physiologie der Seele sich zu ent¬ 
wickeln beginnt. Gleichwohl ist die Zahl der Irrenärzte, welche 
sich eingehender mit den Ergebnissen dieser Wissenschaft bekannt 
gemacht oder gar selbst zum psychologischen Experiment gegriffen 
haben, eine ganz verschwindende.“ 
Hier setzt Kraepelin mit seinen Bestrebungen ein: Es handelt 
sich im wesentlichen um Uebertragung psychophysischer und psycho¬ 
logischer Methoden von dem Gebiet des Normalpsychologischen auf 
die Psychopathologie. 
Das vorliegende Buch hat in dieser Beziehung die gleiche 
Tendenz, erweitert jedoch die Aufgabe dahin, das ganze Gebiet der 
Psychopathologie auch in den Punkten, in denen die Anwendung 
von psychophysischen Instrumenten und bekannten psychologischen 
Methoden unmöglich ist, auf einer experimentellen Grundlage 
aufzubauen; sucht ferner für eine Reihe von Erscheinungen, für 
deren Untersuchung die Psychophysik und Psychopathologie 
bisher überhaupt keine Untersuchungsmittel bietet, be¬ 
sondere Methoden zu schaffen. 
Allerdings ist diese erweiterte Aufgabe schon bei Kraepelin 
ausgesprochen, wenn er sagt: 
,.Jede Wissenschaft entwickelt ihre Hilfsmittel nach ihren 
Bedürfnissen. Unsere Aufgabe ist es daher, nicht einfach blindlings 
die Arbeitsweise des psychologischen Laboratoriums in den Kranken¬ 
saal zu übertragen, sondern die dort bewährten Anschauungen und 
Forschungsmethoden in Formen umzuprägen, welche den eigenthüm- 
lichen Verhältnissen unseres Arbeitsgebietes angepasst sind.“ 
Ferner sagt Kraepelin (1. c. pag. 7): „Daraus ergibt sich die 
Nothwendigkeit, soviel wie irgend möglich Methoden zu ersinnen, 
welche sich an die psychischen Aufgaben des täglichen Lebens an¬ 
lehnen, keine ungewöhnlichen Bedingungen in sich schliessen, mit 
•einfachen Hilfsmitteln arbeiten und rasch zum Ziele führen.“ 
Zu der Lösung dieser Aufgabe, welche die blosse Uebertragung 
psychophysischer Methoden in die Psychopathologie weit über¬ 
schreitet, sucht das vorliegende Buch beizutragen, indem es die 
Untersuchungsmethoden systematisch aus der Natur des 
zu untersuchenden Objectes ableitet. 
‘) Cfr. Vorwort der psychologischen Arbeiten. Engelmann, Leipzig.
        

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