Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der psychopathologischen Untersuchungs-Methoden
Person:
Sommer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18676/292/
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Schuikenntnisse. 
Epileptische nach einem Dämmerzustände an das laut, ohne directe 
Wendung gegen ihn ausgesprochene Wort „Esel“ erinnern, während 
er im Uebrigen scheinbar ganz amnestisch war. 
Auch hier fördert eine genaue Untersuchung einzelner Fälle 
die merkwürdigsten Differenzen zu Tage, deren genauere Fest¬ 
stellung wünschenswerth ist. 
Andere Arten von Sinnesreizen (tactile, olfactorische u. s. f.) 
sind im Allgemeinen wegen der schwierigen Vergleichung weniger 
zu dieser Vorbereitung einer späteren Prüfung auf Amnesie ge¬ 
eignet, verdienen jedoch in manchen Fällen angewendet zu werden. 
Voraussetzung zu diesen Experimenten ist das Vorhandensein 
eines klinischen Untersuchungszimmers, in welchem eine 
methodische Prüfung ohne Belästigung anderer Kranker und ohne 
Störung durch diese vorgenommen werden kann. 
Nur selten kann man die feineren psychophysischen Me¬ 
thoden, welche zur Prüfung des Gedächtnisses ausgearbeitet worden 
sind, auf klinische Fälle anwenden, verhältnissmässig am besten bei 
ruhigen Hysterischen, Epileptischen und Paranoischen, welche noch 
genügend Besonnenheit und Aufmerksamkeit zeigen. 
Immerhin wird es eine weitere Aufgabe der Psychopathologie 
sein, diese Methoden *), auf welche wir hier nur kurz hinweisen 
können, allmählich für unsere Zwecke nutzbar zu machen, wie es 
bereits durch Kraepelin2) geschehen ist. 
Schulkenntnisse. 
Neben der Fähigkeit der Erinnerung für die frischen Eindrücke 
bei dem Eintritt in die Anstalt und während des Aufenthaltes darin 
kommt in Betracht, wie weit die Kranken sich an längstvergangene 
Ereignisse erinnern. Leider bewegt sich diese Prüfung bei jedem 
einzelnen Fall so im Individuellen, dass die Beschaffung eines ver¬ 
gleichbaren Materials kaum möglich erscheint. 
Am meisten bietet noch eine Prüfung der Schulkenntnisse, 
welche Erinnerungsreste aus früherer Zeit darstellen, Aussicht auf 
vergleichbare Resultate. Allerdings ist es bei genauerem. Zusehen 
sehr schwierig, ein Schema zusammenzustellen, auf dessen einzelne 
Fragen bei allen geistig Gesunden eine richtige Antwort erwartet 
werden könnte, da die Unterschiede der Schulbildung ganz ausser¬ 
ordentlich grosse sind. 
Zudem gibt es eine Menge geistig gesunder Analphabeten, die 
sogar bei manchen Völkern einen beträchtlichen Procentsatz ausmachen. 
Immerhin' ist es nothwendig, wenigstens in den Grenzen eines 
Volksbewusstseins eine Reihe von solchen Fragen herauszusuchen, 
deren Beantwortung von geistig Gesunden mit einiger Sicherheit 
erwartet werden kann. 
Mit Rücksicht auf eine Reihe klinischer Erfahrungen empfiehlt 
es sich, dabei zunächst eine Gruppe von gedächtnissmässigen 
Reihen zu bilden. Ferner können einige nationale und religiöse 
v) Cfr. H. Ebbinghaus, Ueber das Gedächtniss. 1885. 
2) Cfr. Kraepelin, Ueber die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch 
einige Arzneimittel, pag. 68—91.
        

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