Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch der psychopathologischen Untersuchungs-Methoden
Person:
Sommer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit18676/159/
Reproduction durch den Phonographen. 
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richtig beendet; zum Beispiel „be-, be-, be-graben“, Das Verhalten ist bald 
negativistisch, bald nimmt er auf Commando bestimmte Haltungen ein (kreuzt 
die Beine, streckt die Zunge heraus, schlingst die Augen), öfter klammert 
er sich mit den Händen an irgend welche (legenstände fest. Defter macht 
er stereotyp wiederkehrende Beiss- und Kratzbewegungen. Bei Untersuchung 
der Kniephänomene beginnt er die Beine rhythmisch zu schleudern. Pupillen 
bei massiger Beleuchtung über mittelweit, linke eine Spur weiter als die 
rechte. Puls 84. Heftiger Stimmungswechsel. Manchmal macht er vergnügte 
Gesichter und benennt seine Umgebung als seine besten Freunde, dann ist 
er wieder ängstlich, schreit : .,Meineid“ etc. Nachmittags phonographische 
Aufnahme. 29. IV. Vor Mitternacht sehr laut und unruhig. Er schrie oft: 
„Graulich, graulich“ . . ., „hoch, hoch“ . . ., „Kaiser, Kaiser“ . . .. 
„Willy, Willy“ . . . und so fort. — Nach einem Bad Schlaf von 2 bis 
Y25 Uhr. Nach dem Erwachen zupft er bis gegen Mittag beständig an 
den Bettdecken, am Hemd und an seiner Haut. Seit seinem Erwachen ist 
Patient ganz still, schneidet aber häutig, besonders bei jeder Anrede, 
Grimassen. Dem Arzt fällt um Y» 10 Uhr morgens die heisse Haut des 
Kranken auf, Temperaturmessung ergibt 38'4. Eine schon bei der Auf¬ 
nahme auffällige circumscripte Röthung der Nase ist noch vorhanden und 
hat sich seitlich auf den Wangen bis zur Bartgrenze ausgebreitet. Ver¬ 
dacht auf Erysipel. — Gegen 11 Uhr wird Patient wieder sehr unruhig 
und heftig erregt. Negativistische Erscheinungen wechseln mit kataleptischen. 
Von V4I- bis 1/ä2 Uhr etwas ruhiger in Bezug auf die Körperhaltung, 
dabei bringt Cr keinen Laut vor. Zunge wird auf Commando nicht heraus¬ 
gestreckt. der Arm wird nicht gehoben. Temperatur nach einem Bad 37'1°. Bis 
abends ziemlich ruhig, sprach kein Wort. Die Röthung des Gesichtes 
nimmt zu. Temperatur abends 1 39 Uhr 38’4°. Von da an in längeren 
Zwischenräumen ziemlich heftige, aber kurz andauernde Aufregungs¬ 
zustände, so besonders um 5 Uhr, zu welcher Zeit er seine Genitalien 
festfasste und mit aller Kraft daran zerrte. Nur mit Mühe konnten zwei 
Pfleger seine Hände lösen. 
30. IV. Gegen 6 Uhr sprach Patient einige, fast unverständliche Worte 
und nahm am Morgen seinen Kaffee zu sich. Den ganzen Tag über war 
er ziemlich ruhig, sprach kein Wort.. Defter Verunreinigung mit Urin, wie schon 
in den ersten Tagen. Temperatur zwischen 39‘9 und 38'4. Nahrungsaufnahme 
erschwert, mit Mühe kann man ihm etwas Milch beibringen. Puls mittel- 
kräftig, Frequenz zwischen 105 und 120. Gegen Abend wieder unruhiger, 
besonders treten negativistische Erscheinungen in den Vordergrund. Nach 
1 Uhi1 nachts sehr unruhig. Athmung etwas beschleunigt. Um 4 Uhr wird 
die Exspiration von Rasseln begleitet. Beginnendes Lungenödem ? 
1. V. Um l> Uhr Temperatur 38'9 ; um 8 Uhr 38'3. Nach 8 Uhr 
profuser Schweissausbruch. Unruhe. f/49 Uhr Collaps. Trotz Anwendung 
von Analepticis um 1 Uhr 25 Minuten Exitus letalis. 
Die Epikrise vor der Section führte Folgendes aus. Aus der 
zur Zeit der Aufnahme schon vorhandenen intensiven, scharf ab¬ 
gegrenzten Röthung der Nase in Verbindung mit dem am 29. IV. früh 
constatirten Fieber von 38'4° konnte an diesem Tage bestimmt ein 
Erysipel angenommen werden. Nach Angabe der Verwandten hat 
H. bereits öfter Erysipel gehabt, jedoch nicht in zeitlicher 
Coi'ncidenz mit den periodischen Geisteskrankheiten. Es 
fragt sicli in Bezug auf den Exitus letalis, der unter zunehmender
        

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